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Tod eines Asylbewerbers: Freisprüche für Polizisten

"Ihr seid ein Haufen Lügner". Im Gerichtssaal kommt es zu Tumulten. Das Landgericht Dessau spricht im Prozess um den Feuertod des Asylbewerbers Oury Jalloh die beiden angeklagten Polizisten frei.

Demonstranten mit Plakaten vor dem Landgericht in Dessau-Roßlau am Rande des Prozesses um den Feuertod des Asylbewerbers Oury Jalloh aus Sierra Leone im Jahr 2005 in einer Polizeizelle (08.12.2008).
Demonstranten mit Plakaten vor dem Landgericht in Dessau-Roßlau am Rande des Prozesses um den Feuertod des Asylbewerbers Oury Jalloh aus Sierra Leone im Jahr 2005 in einer Polizeizelle (08.12.2008).
Foto: dpa

Dessau-Roßlau. Knapp vier Jahre nachdem ein Asylbewerber in einer Polizeizelle in Sachsen-Anhalt verbrannte, sind die beiden angeklagten Polizisten freigesprochen worden. Ihnen sei keine Mitschuld am Tod des Mannes aus Sierra Leone im Januar 2005 nachzuweisen, urteilte das Landgericht Dessau-Roßlau am Montag.

Nach der Verkündung des Urteils brach im Gerichtssaal ein Tumult aus. Wütende Zuhörer stürmten auf den Vorsitzenden Richter Manfred Steinhoff zu und beschimpften ihn als Lügner. Die Polizei griff ein und ging gegen empörte Zuschauer vor und führte mindestens einen aus dem Saal.

Der Prozess

Warum starb Oury Jalloh? - Ausführliche Prozessbeobachtung

Wie könnte es passiert sein? Im Nachbau der Gewahrsamszelle simuliert ein Brandsachverständiger den Vorfall von Dessau mit einer Puppe.
Wie könnte es passiert sein? Im Nachbau der Gewahrsamszelle simuliert ein Brandsachverständiger den Vorfall von Dessau mit einer Puppe.
Foto: dpa

"Das ist ein Mörderhaus, ihr seid ein Haufen Lügner", ruft aufgebracht ein Afrikaner dem Dessauer Gericht zu. Ein anderer bricht mit den Worten "Ich kann nicht mehr" im voll besetzten Gerichtssaal zusammen.

Vor dem Gerichtsgebäude demonstrierten Mitglieder einer Initiative zum Gedenken an den Toten und skandierten Rufe wie "Dieses Urteil ist eine Schande" und "Menschenrechte gelten nichts mehr in Deutschland." Richter Steinhoff trat geschützt von Polizisten vor das Gericht, um die Menge zu beruhigen, was ihm jedoch zunächst nicht gelang.

In der Urteilsbegründung nach rund einstündiger Unterbrechung sagte der Richter, das Gesamtgeschehen habe nicht ausreichend erhellt werden können. Zeugenaussagen seien teils widersprüchlich gewesen.

Trailer des Films "Oury Jalloh" (Deutscher Menschenrechts-Filmpreis 2008)

Jalloh könnte möglicherweise noch leben

Oury Jalloh starb im Januar 2005 bei einem Brand in der Zelle. Todesursache war laut Gutachtern ein Hitzeschock. Der 23-jährige Mann soll das Feuer selbst mit einem Feuerzeug angezündet haben, obwohl er gefesselt war. Der Fall sorgte im In- und Ausland für Aufsehen sowie für heftige Kritik von Menschenrechtlern. Der Prozess gegen die beiden Polizisten im Alter von heute 46 und 48 Jahren dauerte 22 Monate.

Oberstaatsanwalt Christian Preissner forderte in seinem Plädoyer am Montag für den damaligen Dienstgruppenführer der Polizei eine Geldstrafe von 4800 Euro wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen.

Jalloh könne möglicherweise noch leben, wenn der Beamte richtig auf den Rauchalarm reagiert und einen Feuerlöscher zur Zelle mitgenommen hätte. Für den zweiten Polizisten, der laut der ursprünglichen Anklage bei der Durchsuchung Jallohs ein Feuerzeug übersehen haben soll, forderte Preissner Freispruch aus Mangel an Beweisen. Die Verteidigung plädierte für beide Angeklagten auf Freispruch.

Die Nebenkläger kritisierten in ihren Plädoyers die Ermittlungsbehörden scharf. "Es wurde hier so viel vertuscht, soviel verpfuscht, dass sich der Sachverhalt nicht mehr aufklären lässt, obwohl ein Mensch zu Tode kam", sagte Rechtsanwältin Regina Götz, die die Mutter des Opfers vertritt. (dpa)

Datum:  8 | 12 | 2008
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