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Tod eines Finanziers: NPD hofft auf Riegers Erbe

Der vermögende Anwalt galt als ein wichtiger Kreditgeber für seine Partei und als einer der einflussreichsten NPD-Funktionäre. Jetzt muss die Partei um ihre Existenz bangen.

Der NPD-Funktionär Jürgen Rieger ist im Alter von 63 Jahren gestorben. (Archivbild vom August 2004)
Der NPD-Funktionär Jürgen Rieger ist im Alter von 63 Jahren gestorben. (Archivbild vom August 2004)
Foto: Foto: dpa

Immer wieder hielt der Anwalt Jürgen Rieger die NPD finanziell über Wasser - jetzt ist der reiche Neonazi nach einem Schlaganfall gestorben; die rechtsextreme Partei muss um ihre Existenz bangen. Dagegen atmen die Kommunen auf, in denen Riegers angeblich Neonazi-Zentren plante wie in Faßberg bei Celle.

Noch ist unklar, was mit dem auf mindestens eine halbe Million Euro geschätzten Erbe des NPD-Bundesvize geschehen wird. Er soll auch Geld in einem undurchschaubaren Geflecht aus teils im Ausland ansässigen Stiftungen verborgen haben.

Riegers Familie, die zumindest die Pflichtteile erben wird, teilte seine extremen Ansichten offenbar nicht. Die Trauerfeier solle im Familienkreis stattfinden, Riegers letzte Ruhestätte nicht zu einem Ziel für pilgernde Neonazis werden, erklärte Riegers Sohn Harald. Man denke an eine Feuer- oder Seebestattung.

Nach Einschätzung des Verfassungsschutzes verliert die rechte Szene mit Rieger ihren zentralen Geldgeber. Dabei muss die NPD wegen Verstößen gegen das Parteiengesetz 1,27 Millionen Euro an die Staatskasse zurückzahlen. Zuvor hatte Ex-Schatzmeister Erwin Kemna die Partei um mindestens 700 000 Euro erleichtert.

"Da steht jetzt kein Finanzier mehr, der aus seiner Schatulle zuschießt", meinte Niedersachsens Verfassungsschutzpräsident Günter Heiß. "Die müssen sich schon Sorgen machen." Unbekannt sei, ob Rieger der rechten Szene testamentarisch Geld vermacht habe. Ein Anhänger sorgt sich in einem Internet-Blog: "Ich hoffe nur, das mit seinem Tod nicht die ganze NPD in sich zusammenfällt."

Ob in Delmenhorst, Melle, Warmensteinach oder Wunsiedel - immer wieder trat Rieger als Kaufinteressent für heruntergewirtschaftete Hotels, Gasthäuser oder Kinos auf, präsentierte Pläne für rechtsradikale Schulungszentren. Es folgten oft überteuerte Gegengebote der Kommunen. In Delmenhorst kaufte die Stadt ein marodes Hotel für drei Millionen Euro - um es abzureißen. Der Verdacht hielt sich, der Anwalt profitiere von dem Geschacher.

Die rechte Szene verliert einen Ideologen, eine polarisierende Führungsfigur, die ihr oft zu Medienpräsenz verhalf. Vor Gericht vertrat Rieger Holocaust-Leugner, Antisemiten und Volksverhetzer. Immer wieder wurde auch gegen ihn ermittelt, zuletzt, weil er ein Sturmgewehr zu Hause hatte. Das Ergebnis muss er nun nicht mehr fürchten. (dpa/olk)

Datum:  29 | 10 | 2009
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