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Tödliche Anschläge in Kabul: Im Visier der Taliban

Auf der Internetseite wirbt das Hotel noch mit: "Ihr Zuhause in Kabul", da werden längst Leichen, notdürftig in geblümte Decken gehüllt, aus dem Park Residence getragen. 17 Menschen sterben bei der Anschlagsserie. Von Christine Möllhoff

Anschläge  auf Ausländer in Kabul: Eines der Opfer  wird gestützt.
Anschläge auf Ausländer in Kabul: Eines der Opfer wird gestützt.
Foto: rtr

Auf der Internetseite wirbt das Hotel noch mit: "Ihr Zuhause in Kabul", da werden längst Leichen, notdürftig in geblümte Decken gehüllt, aus dem Park Residence getragen. Wieder haben die Taliban mitten im Herzen von Kabul zugeschlagen. Bei einer Anschlagsserie starben am Freitag mindestens 17 Menschen, darunter mindestens neun Inder, ein Italiener und ein Franzose. Über 30 Menschen wurden verletzt.

Tatorte waren das Park Residence und ein Gästehaus neben dem Safi Landmark Hotel, das im größten Einkaufszentrum Kabuls liegt. In allen drei Häusern steigen viele Ausländer ab. Die Taliban bekannten sich zu der Attacke. "Die Zielscheibe waren Ausländer", erklärte ihr Sprecher Sabiullah Mudschahid. Er nannte angeblich ausdrücklich auch Inder.

Zunächst ging gegen 6.30 Uhr offenbar eine Autobombe vor dem Gästehaus hoch. Die Explosion war so gewaltig, dass sie einen Swimmingpool-großen Krater riss. Die Decke des Gästehauses stürzte ein. Nach Medienberichten sollen die Attentäter dann gezielt Inder erschossen haben. Unter den Todesopfern sind zwei indische Ärzte, die in einem von Delhi finanzierten Kinderkrankenhaus arbeiteten, sowie ein indischer Diplomat.

Trotz massivster Sicherheitsvorkehrungen gelang es offenbar drei weiteren Attentätern in das Park Residence einzudringen. Zwei sprengten sich in die Luft und rissen mehrere Menschen mit in den Tod. Der dritte lieferte sich über Stunden Feuergefechte mit der Polizei.

Die Taliban scheinen zusehends gezielt Ausländer ins Visier zu nehmen. Das soll offenbar den Versuch des Westens unterlaufen, den Aufbau Afghanistans voranzutreiben. Für Ausländer wird es immer gefährlicher, selbst in Kabul zu arbeiten. Die UN lässt ihre Mitarbeiter in hochgesicherten Unterkünften unterbringen, die deutsche Botschaft gleicht einem Bunker.

Die Gründe für den Angriff könnten aber noch vielschichtiger sein. So scheint der Angriff besonders auf Inder gezielt zu haben. Indien engagiert sich als eins der größten Geberländer stark beim Aufbau des Landes. Dies passt weder den Taliban noch Indiens Erzfeind Pakistan, der Indien aus Afghanistan raushalten will. Einige Analysten spekulierten, dass der Anschlag das Verhältnis zwischen Pakistan und Indien vergiften soll. Nach 15 Monaten Eiszeit hatten die Erzfeinde erst am Vortag auf Druck der USA formelle Gespräche aufgenommen. Washington will das Verhältnis dringend entspannen, um Afghanistan zu stabilisieren. Andere Beobachter mutmaßten, die Attacke könnte eine Antwort auf die Nato-Großoffensive in Helmand sein.

Autor:  Christine Möllhoff
Datum:  26 | 2 | 2010
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