In Bolivien eskaliert der Kampf zwischen dem linken Präsidenten Evo Morales und den konservativen Provinzchefs. Bei schweren Unruhen starben in Pando, einer Provinz im Tiefland nördlich der Hauptstadt La Paz, mindestens acht Menschen. Dort waren die Anhänger von Präsident Evo Morales mit den Parteigängern des örtlichen Provinzgouverneurs zusammengestoßen. Zudem wurden nach offiziellen Angaben 34 Menschen verletzt. Die Opfer gehören offenbar beiden Lagern an. Zum ersten Mal wurden bei solchen Konflikten Schusswaffen eingesetzt; bisher gingen die Gegner mit Steinen und Stöcken aufeinander los. Gouverneur Leopoldo Fernández sagte, die Lage sei "außer Kontrolle geraten".
Die innenpolitische Eskalation in Bolivien hat zu diplomatischen Verwickelungen geführt. Morales hatte US-Botschafter Philip Goldberg des Landes verwiesen; er wirft ihm vor, auf der Seite der Morales-Gegner zu stehen und an deren "Verschwörungen" beteiligt zu sein. Daraufhin erklärten die USA den bolivianischen Vertreter in Washington zur unerwünschten Person. Als Akt der Solidarität mit Bolivien schließlich erklärte Venezuelas Präsident Hugo Chávez den US-Botschafter in Caracas zur Persona non grata.
Das östliche Tiefland Boliviens ist seit drei Wochen Schauplatz zunehmender Spannungen. Seit den nicht verfassungskonformen Abstimmungen über mehr Selbstständigkeit der Departements in den vergangenen Monaten hat sich die Autonomie-Bewegung deutlich radikalisiert. In Santa Cruz, der wirtschaftlich wichtigsten Region, blockiert der militante Arm der Autonomisten, die rechtsradikale Jugend-Union, den Flughafen und viele Straßen.
Die Autonomisten halten Dutzende von Regierungsgebäuden besetzt, die sie zum Teil verwüstet haben. Ihre Kämpfer haben erfolglos versucht, in der Stadt Santa Cruz das Elendsviertel "Plan 3000" einzunehmen, das als Heimstatt der Morales-Anhänger gilt. Auch die anderen östlichen Departements sind mehr oder weniger von Gewalt ergriffen.
Internationale Ausmaße hat der Konflikt durch Sabotage der Gasförderung erreicht, mit der die Autonomisten in den vergangenen Tagen mehrfach die Energielieferung nach Brasilien und Argentinien unterbrechen konnten. Zeitweise erhielt Brasilien nur ein Drittel der normalen Gasmengen. Nach Argentinien, das ein deutlich kleinerer Kunde als Brasilien ist, gelangte für Stunden überhaupt kein Gas.
Die Regierungen beider Länder erklärten ihre Unterstützung für die gewählte Regierung von Evo Morales und warnten vor einem "institutionellen Bruch" im Nachbarland, wie die brasilianische Regierung sagte. Brasilien bot an, in dem aktuellen Konflikt zu vermitteln. Morales erwiderte jedoch in einem Telefongespräch mit Brasiliens Präsident Luis Inácio Lula da Silva, er setzte vorerst auf eine interne Lösung.
"Ihr Scheiß-Yankees"
Bei einer Wahlveranstaltung in der Industriestadt Valencia gab Venezuelas Präsident Hugo Chávez bekannt, dass der US-Botschafter das Land verlassen müsse - "in Solidarität mit dem Volk und der Regierung Boliviens", wie Chávez zur Begründung sagte. Der venezolanische Vertreter in Washington werde heimgerufen, "bevor sie ihn rausschmeißen", rief Chávez aus. Zuvor hatte er versichert, er hätte "überhaupt kein Problem", bewaffneten Widerstand in Bolivien zu unterstützen, wenn Morales gestürzt würde.
Chávez bezichtigte die USA, sie hätten einen "Plan, um zu kommen" und den Präsidentenpalast in Caracas zu "bombardieren". Washington wolle "Gewalt in Venezuela säen", sagte Chávez. Der Präsident überraschte Diplomaten und Beobachter mit selbst für seine Verhältnisse überaus starken Worten: "Ihr Scheiß-Yankees, geht hundertmal zum Teufel!" Seite 13
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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