Athen. Der Tod eines 15-Jährigen durch eine Polizeikugel in Athen hat am Wochenende in zahlreichen griechischen Städten schwere Ausschreitungen ausgelöst. Autonome verwüsteten mit Steinwürfen und Brandflaschen zahlreiche Geschäfte und Bankfilialen. Allein in Athen gingen mehr als 100 Autos in Flammen auf.
Innenminister Prokopis Pavlopoulos und der für die Polizei zuständige Staatssekretär Panagiotis Chinofotis boten ihren Rücktritt an, was aber Ministerpräsident Kostas Karamanlis ablehnte. Pavlopoulos kündigte an, die für den Tod des 15-Jährigen Verantwortlichen würden "exemplarisch bestraft". Die Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren wegen Mordes ein.
In Athen protestierten am Sonntagnachmittag mehr als 10 000 Menschen mit einem Protestmarsch zum Polizeipräsidium gegen den Tod des 15-Jährigen. Dabei kam es erneut zu schweren Ausschreitungen. Mehrere Bankfilialen, Autosalons und Supermärkte in der Nähe des Präsidiums gingen in Flammen auf. Die Feuerwehr versuchte mit Drehleitern, eingeschlossene Bewohner aus den oberen Stockwerken der brennenden Gebäude zu retten. Ob es bei den Bränden Opfer gegeben hat, war am Sonntagnachmittag unklar. Auch in anderen Städten formierten sich Protestmärsche. Beobachter sprechen von den schwersten Unruhen seit dem Jahr 1985. Auch damals hatte der Tod eines Demonstranten zu schweren Straßenschlachten Autonomer mit der Polizei geführt
Wie es am Samstagabend um 21.10 Uhr im Athener Stadtviertel Exarchia zu dem tödlichen Schuss auf den 15-Jährigen kam, ist noch strittig. Die beiden beteiligten Polizeibeamten sagten aus, sie seien in ihrem Streifenwagen von etwa 30 jugendlichen Randalierern mit Steinen und Stöcken angegriffen worden. In Notwehr habe dann einer der Polizisten "Warnschüsse" auf den Boden und in die Luft abgegeben. Der 15-Jährige sei von einem Querschläger getroffen worden. Augenzeugen bieten eine andere Version des Vorfalls: Danach entwickelte sich zwischen der Streifenwagenbesatzung und einer Gruppe Jugendlicher, die gerade aus einer Bar gekommen war, ein heftiger Wortwechsel. Dann habe einer der Beamten gezielt auf einen der Jungen geschossen. Der 15-Jährige wurde durch einen Schuss in die Brust getötet. Ob es sich dabei tatsächlich um einen Querschläger handelte, soll eine Obduktion klären. Die Beamten wurden vorläufig festgenommen.
Die Nachricht vom Tod des Jungen verbreitete sich in der Athener Autonomenszene innerhalb kürzester Zeit. Hunderte Vermummte zogen mit Steinen, Brandflaschen und Schlagwerkzeugen durch die Innenstadt, demolierten Schaufenster, steckten Bankfilialen und Autos in Brand. Im Laufe des Abends griffen die Unruhen auf weitere Städte über: auf Thessaloniki, Ioannina, Komotini, Xanthi, Serres und Alexandroupolis im Norden, auf Agrinio in Zentralgriechenland, die westgriechische Hafenstadt Patras, aber auch auf die Inseln Korfu, Lesbos und Kreta.
In Athen flammten am Sonntag neue Unruhen auf. Autonome besetzten auch das Gebäude der Technischen Hochschule und die juristische Fakultät. Für die Nacht zum Montag wurden neue Ausschreitungen befürchtet.
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