Jerusalem. Beim Schin Beth hieß er, der "grüne Prinz". Ein Agentenname, der die hohe Wertschätzung ausdrückte, die der israelische Inlandsgeheimdienst für Mussab Hassan Yousef besaß. Grün ist die Farbe des Islams. In dessen heimlichen Zirkeln kannte er sich aus, der Sohn eines hohen Hamas-Führers aus Ramallah, der jahrelang den Israelis als Topinformant diente, wie Haaretz am Mittwoch publik machte.
Mit seiner Hilfe konnten in den Zeiten der bewaffneten Intifada offenbar Dutzende Selbstmordattentate vereitelt werden. Er soll auch den entscheidenden Tipp geliefert haben, um Palästinenser, die als "Drahtzieher des Terrors" galten, hinter israelische Gitter zu bringen. Darunter Fatah-Führer Marwan Barhouti, der in Tel Aviv zu fünffach lebenslanger Haft verurteilt wurde.
Mussab Hassan Yousef spionierte das Herz der Hamas aus - nicht für Geld, sondern aus Überzeugung. Sein Motiv: Leben retten. Jetzt packt er noch mal aus. Der 32-Jährige, der sich vor drei Jahren in die USA abgesetzt hat, zum Christentum übertrat und einer evangelikalen Gemeinde namens Barrabas im kalifornischen San Diego angehört, hat ein Buch geschrieben.
Dass der junge Palästinenser mit allem gebrochen hat - Herkunft, Familie und der gewaltverherrlichenden islamistischen Ideologie wusste man seit 2008. Der Islam, auf den sich die Hamas beruft, sei für ihn als Religion nicht mehr akzeptabel, sagte er damals dem US-Nachrichtensender Fox. Er, Mussab Yousef, habe schon immer mehr Fragen als andere gestellt. Aber seine Erfahrung mit 18 Jahren im Knast, wo Hamas-Führer andere Häftlinge mit Folter gefügig gemacht hätten, habe ihm endgültig die Augen geöffnet.
Bei seinem ersten Outing ahnten aber die wenigsten, dass er nicht nur in religiösen Belangen die Seiten gewechselt hatte, sondern auch ein Schin-Beth-Mann geworden war. Er muss für Israels Inlandsgeheimdienst unbezahlbar gewesen sein. "Sein Insiderwissen wog tausend Stunden gedanklicher Arbeit von Topexperten auf", zitierte Haaretz jetzt "Captain Loai", der als Yousefs Kontaktperson fungiert haben soll. Zum Beispiel habe der "grüne Prinz" binnen Minuten einen Attentäter ausfindig gemacht, über den man vorher nur in Erfahrung gebracht habe, dass er ein rotes T-Shirt trage und am zentralen Manara-Platz in Ramallah einen Sprengstoffgürtel erhalten sollte.
Das neue Buch dürfte noch einiges mehr über die Arbeit des Schin Beth preisgeben. Geheimdienste mögen so etwas nicht. Auch wenn sie, wie in diesem Fall, gut wegkommen. Peinlicher ist die Sache für die Hamas, insbesondere für Vater Hassan Yousef, der zu ihrer Gründergeneration in der Westbank zählt. Er war bis vor kurzem selbst in Haft. Sein Sohn sagte jetzt, er wünschte, er wäre in Gaza, um den gekidnappten Soldaten Gilad Schalit zu befreien. Damit nicht so viele Terroristen für einen Gefangenendeal freigelassen werden müssten.
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