Tote im Fußballstadion: Ägyptens Sport im Sog der Politik
Und die Polizei schaut zu: In Port Said sind die regimekritischen Anhänger des Kairoer Klubs Al-Ahli attackiert worden. Foto: AFP
Und die Polizei schaut zu: In Port Said sind die regimekritischen Anhänger des Kairoer Klubs Al-Ahli attackiert worden. Foto: AFP
Bei politisch motivierten Randalen am Rande eines Fußballspiels sterben in Ägypten mehr als 70 Menschen. In den sozialen Medien kursieren darauf Verschwörungstheorien - denn der beteiligte Klub Al-Ahli gilt als Kritiker des alten Regimes.
Kairo –
Es war die erste Saisonniederlage für den ägyptischen Spitzenklub Al-Ahli. 3:1 verlor der Tabellenführer aus Kairo beim Erzrivalen Al-Masri in der Hafenstadt Port Said. Kurz nach dem Schlusspfiff in der 97. Minute eskalierte die Situation, Al-Masri-Fans stürmten den Platz, verfolgten Spieler des gegnerischen Teams und deren Anhänger.
In einer ersten Bilanz am Mittwochabend sprach das ägyptische Gesundheitsministerium von mindestens 73 Toten und tausend Verletzten. Unmittelbar nach Bekanntwerden der Ausschreitungen war das Spiel zwischen Al-Ismailiya und Zamalek in Kairo abgebrochen worden.
Bei gewalttätigen Auseinandersetzungen nach einem Fußballspiel in der ägyptischen Stadt Port Said sind am Mittwoch nach Angaben des ägyptischen Gesundheitsministeriums über 70 Menschen ums Leben gekommen. Die Zusammenstöße begannen, nachdem Fans des heimischen Teams Al-Masri nach dem 3:1-Sieg gegen den Tabellenführer und Erzrivalen der ägyptischen Premier League Al-Ahli Sekunden nach dem Abpfiff das Spielfeld gestürmt hatten. Die Fans hätten Steine, Feuerwerkskörper und Flaschen geworfen und dabei auch Spieler verletzt. Das regierende Militär ordnete eine dreitägige Staatstrauer an.
Foto: REUTERS
Bei gewalttätigen Auseinandersetzungen nach einem Fußballspiel in der ägyptischen Stadt Port Said sind am Mittwoch nach Angaben des ägyptischen Gesundheitsministeriums über 70 Menschen ums Leben gekommen. Die Zusammenstöße begannen, nachdem Fans des heimischen Teams Al-Masri nach dem 3:1-Sieg gegen den Tabellenführer und Erzrivalen der ägyptischen Premier League Al-Ahli Sekunden nach dem Abpfiff das Spielfeld gestürmt hatten. Die Fans hätten Steine, Feuerwerkskörper und Flaschen geworfen und dabei auch Spieler verletzt. Das regierende Militär ordnete eine dreitägige Staatstrauer an.
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Daraufhin brach ein Feuer im Stadion aus. Der ägyptische Fußballverband setzte die Meisterschaft auf unbestimmte Zeit aus.
Nicht nur Fußballgewalt
Ägyptens stellvertretetender Gesundheitsminister Hescham Scheiha sprach von den schwersten Ausschreitungen im ägyptischen Fußball. Doch handelt es sich nicht allein um Fußballgewalt. Al-Ahlis Anhänger spielten eine entscheidende Rolle beim Aufstand gegen das Regime von Staatschef Hosni Mubarak im vergangenen Jahr. Zuletzt wandten sich die Ultras von Al-Ahli immer wieder gegen die Polizei – aus politischen Gründen.
Sie sahen in der Polizei die Vertreter des alten Regimes und wandten sich auch gegen die Militärherrscher, die nach Mubaraks Sturz die Macht im Land übernommen haben.
In den sozialen Medien kursierten am Abend Verschwörungstheorien, wonach die Sicherheitskräfte die Gewalt gegen die Al-Ahli-Fans gebilligt haben. Der Mannschaftsarzt von Al-Ahli wurde auf der Internetseite „Egypt Independent“ mit den Worten zitiert: „Das ist Krieg, der geplant war.“
Al-Ahli-Ultras auf dem Tahrir-Platz
Der Fußballklub Al-Ahli war schon bei der Gründung ein politischer Verein. 1907 wurde der Klub von Studenten ins Leben gerufen, die den britischen Kolonialherren besonders kritisch gegenüberstanden. Bei dieser politischen Haltung ist es geblieben.
Weil die Ultra-Gruppen von Al-Ahli die Auseinandersetzung mit der Polizei gewohnt waren, spielten sie im Vorjahr eine entscheidende Rolle bei den Protesten auf dem Tahrir-Platz.
„Es gab zugewiesene Steinewerfer, Spezialisten für das Anzünden von Fahrzeugen und Versorgungscrews, die Projektile lieferten“, erklärte der englische Fußballblogger David Lane im vergangenen Jahr in der Zeitung Die Welt. Ihr Vorgehen trug entscheidend dazu bei, dass die Sicherheitskräfte mit ihrer Strategie des Angstschürens nicht durchkamen.
Der Staatsanwalt ordnete am Mittwochabend an, sofort mit Ermittlungen zu beginnen. Das ägyptische Parlament will heute in einer Sondersitzung über die Ausschreitungen beraten. Am Abend schickte das Militär Helikopter nach Port Said, um die Situation wieder unter Kontrolle zu bringen. (FR/dapd)
Damir Fras ist unser US-Korrespondent Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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