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30. Oktober 2008

Treibhausgase: China stinkt zum Himmel

 Von BERNHARD BARTSCH

China pustet ebenso viel schädliches Kohlendioxid in die Atmosphäre pustet wie die USA. Die Prognosen sind düster. Bis 2030 können sich die Emissionen noch verdoppeln.

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Peking. China ist der weltweit größte Emittent von Treibhausgasen. Was Klimaforscher schon lange wissen, ist seit Donnerstag auch offizielle chinesische Politik: In einem "Weißbuch zum Klimaschutz" gestand die Pekinger Regierung mit ungewohnter Offenheit ein, dass die Volksrepublik mittlerweile genauso viel klimaschädliches Kohlendioxid produziert wie die USA.

In den kommenden Jahren wird China seine unrühmliche Spitzenposition noch weiter ausbauen. Lagen die chinesischen Emissionen im Jahr 2005 beim Äquivalent von 1,5 Milliarden Tonnen Kohlendioxid, so dürften es 2020 rund 2,5 Milliarden Tonnen und 2030 sogar 3,1 Milliarden Tonnen sein - mehr als doppelt so viel wie ein Vierteljahrhundert zuvor.

Als Ursache für die düsteren Aussichten nennt das Weißbuch Chinas große Abhängigkeit von Kohle, die mehr als zwei Drittel der chinesischen Energie liefert. "Wir müssen Energie sparen, die Energieeffizienz erhöhen, erneuerbare Energieformen entwickeln und Maßnahmen zur Reduktion von Treibhausgasen ergreifen", heißt es in dem Papier. Der kohledominierte Energiemix werde sich aber "in der nahen Zukunft nicht grundlegend ändern lassen, was die Einschränkung von Treibhausgasen sehr schwierig macht".

Dass die Regierung trotzdem von einem "Weißbuch" statt von einem "Schwarzbuch" spricht, begründet sie mathematisch: Teilt man Chinas Emissionen durch seine 1,3 Milliarden Einwohner, ergibt sich ein Pro-Kopf-Ausstoß von rund einem Fünftel des amerikanischen. Deshalb verlangt die Volksrepublik seit Jahren, dass beim Klimaschutz vor allem die westlichen Industrienationen in der Pflicht stehen müssten.

In den kommenden Klimaschutzverhandlungen will China deswegen als inoffizielle Führungsmacht der Schwellen- und Entwicklungsländer verhindern, dass diese absoluten Einsparzielen unterworfen werden. Stattdessen solle der Westen ihnen kostenlos moderne Technologie zur Verfügung stellen.

"Ich finde, entwickelte Länder sollten mindestens 0,7 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts aufwenden, um Entwicklungsländern beim Klimaschutz zu helfen", forderte Xie Zhenhua, Vizeminister der Planungskommission, in Peking.

Auch wegen dieser anhaltenden Debatte über den Klimaschutz warnt die Naturschutzorganisation WWF vor einer ökologischen Katastrophe. Wenn der bisherige Verbrauch an natürlichen Ressourcen anhalte, würde bis zum Jahr 2035 rechnerisch eine zusätzliche Erde gebraucht, heißt es in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht. Nur so könne der derzeitige weltweite Bedarf an Nahrung, Energie und Fläche gedeckt werden.

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