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Politik
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06. Juli 2012

Trisomie 21: Ein Test für die Gesellschaft

 Von Katja Tichomirowa
Eine Mutter hält ihr Kind mit Down-Syndrom auf dem Arm.  Foto: dpa

Der neue Trisomie-21-Test könnte dazu führen, dass weniger Menschen mit Down-Syndrom zur Welt kommen. Behindertenverbände halten es für unzulässig. Doch ein Verbot ließe sich leicht umgehen.

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Der Schauspieler Sebastian Urbanski spricht nach der Pressekonferenz gewissermaßen das Schlusswort: „Wir leben damit“, sagt er, „und wir fühlen uns wohl.“ Damit meint Trisomie 21, besser bekannt als Down-Syndrom und der Anlass seiner Stellungnahme ist die Vorstellung eines Rechtsgutachtens, mit dem der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Hubert Hüppe, noch verhindern will, was sich vermutlich nicht mehr aufhalten lässt: den Praena-Test. So heißt der vom Konstanzer Unternehmen LifCodexx entwickelte Bluttest, mit dem mittels einer Blutprobe der Schwangeren eine Trisomie 21 festgestellt werden kann. Das Unternehmen sieht seine Entwicklung als Ergänzung der Pränataldiagnostik bei Risikoschwangerschaften, dass der werdenden Mutter einen invasiven Eingriff, die Fruchtwasseruntersuchung erspart.

Das von Hüppe in Auftrag gegebene Rechtsgutachten hält die Anwendung des Tests dagegen schlicht für rechtswidrig. Er verstoße gegen Paragraf 15 des Gendiagnostikgesetzes (GenDG), nach dem vorgeburtliche Untersuchungen ausschließlich medizinischen Zwecken dienen sollen. „Trisomie 21 ist nicht heilbar“, sagt Hüppe. Der Test diene also ausschließlich der Selektion. Ungeborene, bei denen Trisomie 21 diagnostiziert wird, sollen aussortiert werden, befürchtet Hüppe und mit ihm zahlreiche Behindertenverbände.

Trisomie 21 als Abtreibungsgrund

Sebastian Urbanski mit der spanischen Schauspielerin Lola Duenas.
Sebastian Urbanski mit der spanischen Schauspielerin Lola Duenas.
 Foto: Getty Images

Tatsächlich geschieht das bereits jetzt. Die überwiegende Mehrheit aller Frauen, die durch eine Fruchtwasseruntersuchung erfahren, dass ihr Kind mit Trisomie 21 geboren werden würde, entscheiden sich für den Abbruch der Schwangerschaft. Der PraenaTest setzt die Hürde für eine solche Entscheidung lediglich noch weiter herab, weil er früher und ohne die Risiken eines invasiven Eingriffs vorgenommen werden kann. Folgt man diesem Szenario, könnte es Menschen mit Down-Syndrom künftig immer seltener und in absehbarer Zeit überhaupt nicht mehr geben. Das zu verhindern, ist Hüppes Anliegen. Doch auch Ferdinand Gärditz von der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, der das Gutachten zur Zulässigkeit des PraenaTests erstellt hat, weiß, dass die Entscheidung bei den zuständigen Behörden der Länder liegt. „Wir glauben, dass wir unsere Rechtsauffassung überzeugend belegen können“, sagt Gärditz. Der Staat ist nach Artikel 3 des Grundgesetzes verpflichtet, zu verhindern, dass behinderte Menschen vorgeburtlich routinemäßig ausgesondert werden, glaubt er. Artikel 3 des Grundgesetzes besagt, dass niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden darf. Wer die Frage stellt, ob diese Schutzverpflichtung des Staates auch auf das ungeborene Leben übertragbar ist, begibt sich allerdings auf ein weites Feld juristischer Kalamitäten. Auch mit dem Gendiagnositikgesetz ist es nur notdürftig eingezäunt.

Rechtliche Bedenken

Denn gegen den Test klagen könnte nur, wer geltend machen kann, dass seine subjektiven Rechte verletzt werden, erklärt Gärditz. Das ungeborene Kind ist dazu naturgemäß nicht in der Lage. Dass die Mutter das Klagerecht ihres Kindes vertritt, bleibt eine theoretische Möglichkeit, denn wer den Test anwenden will, wird nicht gegen ihn klagen wollen. Sollten sich die Landesbehörden für ein Verbot entscheiden, rechnet Gärditz zudem damit, dass das betroffene Unternehmen ein Gegengutachten vorlegen wird.

„Ich bin skeptisch, ob ein Verbot dem Dilemma gerecht wird“, sagt Wolf-Michael Catenhusen. Der Leiter der Arbeitsgruppe Gendiagnostik beim Deutschen Ethikrat fordert „eine Wissenschaftskultur, die in der Lage ist, Prozesse wie den medizinisch-technischen Fortschritt zu begleiten“.


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„Wir stehen dem technischen Fortschritt auch nicht ohnmächtig gegenüber, wir müssen uns nur früher einschalten“, sagt Catenhusen. Der Deutsche Ethikrat wird voraussichtlich zum Ende des Jahres eine Stellungnahme zur Zukunft der genetischen Diagnostik abgeben.

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