In Tschechien soll die Atomkraft demnächst massiv ausgebaut werden: Sie spielt eine zentrale Rolle im Energiekonzept der Prager Mitte-Rechts-Regierung, und diese rührt derzeit kräftig die Werbetrommel. Denn die Planungen drehen sich vor allem um das AKW Temelin.
Die pannenanfälligen zwei Reaktorblöcke waren ein Dauerthema bei den EU-Beitrittsverhandlungen Tschechiens. Nun reist Václav Bartuska, der Sonderbeauftragte der Regierung, druch die Nachbarländer mit einer Botschaft: Tschechien will den Anteil der Atomkraft an der Stromerzeugung von aktuell gut 30 bald auf mindestens 50 Prozent erhöhen. Und die staatlich kontrollierte Energiebehörde CEZ sucht den geeigneten Investor für eines der größten Projekte des Landes: den Bau der Blöcke Drei und Vier in Temelin in einem geschätzten Gesamtvolumen von zehn bis zwölf Milliarden Euro.
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Gemeldet haben sich bislang drei Interessenten: der deutsch-französische Areva-Konzern, sein US-japanischer Konkurrent Westinghouse sowie ein Atomstromkonsortium aus Moskau. Bis zum Jahr 2012 soll die Ausschreibung beendet sein, die Inbetriebnahme der neuen Blöcke könnte zehn Jahre später erfolgen. „Jeder Bieter hat die gleiche Ausgangsposition, keiner wird bevorteilt, alle drei haben Vorzüge und Schwächen. Vielleicht bekommt auch keiner den Zuschlag“, sagt Bartuska.
Letzterer Satz kommt durchaus kritisch daher. Russland und auch der Westen hätten in Sachen Atomtechnologie seit Anfang der 90er Jahre „einen erheblichen Verlust an Know-How zu beklagen“, bedauert der Atom-Emissär aus Prag. „Die Expertise bei der Nukleartechnologie muss in Europa erst wieder aufgebaut werden.“ Auch das klingt nicht wirklich so, als sei Bartuska von jenen Fähigkeiten überzeugt, derer sich die Befürworter von AKW-Exporten auch in Deutschland rühmen.
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