Seit Jahrzehnten sind sie "Erbfeinde". Die Grenze etwa ist geschlossen. Jetzt reichen sich Türken und Armenier die Hand - zumindest der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu und sein armenischer Amtskollege Eduard Nalbandian, die am heutigen Samstag in der Schweiz zwei Verträge über die Normalisierung ihrer Beziehungen zeichnen.
Seit über einem Jahr verhandelten Unterhändler in Bern ein Abkommen, das die Aufnahme diplomatischer Beziehungen und die spätere Öffnung der Grenze vorsieht. Die beiden Parlamente müssen es aber noch ratifizieren. Dagegen regt sich Widerstand.
Ein Problem ist der Streit um die Armenierverfolgungen im Osmanischen Reich. Armenien spricht von einem Völkermord, bei dem zwischen 1915 und 1923 rund 1,5 Millionen Armenier starben. Für die Türkei handelte es sich hingegen um "Kriegswirren", in denen je 200000 Armenier und Türken umgekommen sind.
Bei den Gesprächen wurde dieses Thema ausgeklammert. Es soll einer bilateralen Historikerkommission vorgelegt werden. Vor allem Exil-Armenier finden, es dürfe keine Annäherung an die Türkei geben, bevor Ankara nicht den Genozid anerkenne. Der türkischen Regierung wird vorgeworfen, sie verschweige diese Kontroverse und akzeptiere damit mittelbar den Völkermord-Vorwurf.
Nationalistische Oppositionspolitiker kritisieren überdies, die Regierung begehe mit der Annäherung an Armenien Verrat an Aserbaidschan. Dabei geht es um Berg-Karabach, die überwiegend armenisch besiedelte Enklave auf dem Territorium Aserbaidschans. Nachdem Armenien 1992 in Berg-Karabach einmarschiert war, schloss die Türkei die Grenze zu Armenien, da sich Ankara den Aserbaidschanern, einem Turkvolk, verbunden fühlt.
Einigung öffnet Handelswege
Eine Öffnung der türkisch-armenischen Grenze würde den Armeniern Handelswege über Anatolien nach Westen erschließen und der Türkei neue Exportrouten nach Mittelasien und Fernost eröffnen. Die Türken müssen aber auf Aserbaidschan Rücksicht nehmen, auch weil das Land als Gaslieferant immer wichtiger wird - nicht zuletzt für die geplante Nabucco-Pipeline, mit der die Türkei ihre Rolle als Energie-Drehscheibe ausbauen möchte.
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