Las Vegas/Köln. "Ellbow, ellbow", schallt es durch die Halle im MGM Grand Casino in Las Vegas. Die Menschen wollen sehen, wie einer der Männer im achteckigen Käfig dem anderen einen Ellenbogen gegen Kopf oder Körper rammt. Das lockt die Menschen in den USA in Scharen zu den Kämpfen der "Ultimate Fighting Championship" (UFC). Die Veranstalter verdienen Millionen an ihrem Konzept. Vor allem der Andrang beim Bezahlfernsehen spült horrende Summen in die Kassen - rund 50 Millionen Dollar pro Kampfabend.
An einem Abend im November kämpft Randy Couture, einer der Superstars der Szene, gegen den Hünen Brock Lesnar. Mit seinen 120 Kilo ist dieser gut 20 Kilo schwerer als der Publikumsliebling. Entsprechend martialisch sieht es aus, als Lesnar seinen Gegner mit einem Schlag von den Beinen holt, sich auf ihn stürzt und zunächst mit den Fäusten und schließlich mit dem Ellenbogen auf den am Boden liegenden Couture eindrischt.
Der Ringrichter wartet lange, Couture zappelt ja noch, er versucht, sich unter dem Berg aus Fleisch und Muskeln hervorzurollen. Dann ist es vorbei, der Unparteiische schreitet ein. Das Publikum johlt.
Der Export des Kampf-Spektakels nach Großbritannien läuft auf Hochtouren. Jetzt soll auch der deutsche Markt erobert werden. In einem Land, in dem fast alle TV-Sender regelmäßig Profiboxen zeigen und in dem Wladimir Klitschko mit einem Kampf locker die Arena auf Schalke füllen kann, scheint der Boden bereitet für die "Mixed Martial Arts" (MMA), die kombinierten Kampfkünste. Für das Deutschland-Debüt am 13. Juni wurde die Lanxess-Arena in Köln ausgewählt.
Ab 18!
Die Veranstalter waren guter Dinge. Dann kochte in der Stadt am Rhein der Widerstand hoch und erreichte am Montag seinen vorläufigen Höhepunkt: Zähneknirschend stimmten die Veranstalter auf Anraten des Jugenddezernats der Stadt zu, eine Altersbeschränkung ab 18 Jahren zu akzeptieren. Bereits in seiner Sitzung vom März hatte sich der Kölner Stadtrat gegen die UFC-Veranstaltung ausgesprochen und damit die Diskussionen losgetreten.
In Köln wollen viele die Kämpfe nicht sehen - vor allem wegen der brutalen Szenen der durchtrainierten, kämpferisch sehr gut ausgebildeten Athleten - sie sind die Alleskönner unter den Kampfsportlern. Szenen wie diese stillten brutale, voyeuristische Gelüste und nährten die Sorge, gefährdete, weniger behütete Jugendliche könnten im wahren Leben zu Nachahmern werden, sagen viele.
In den USA füllen sich bei UFC-Veranstaltungen Arenen wie im MGM Grand Casino problemlos mit 14.000 Zuschauern. Viel Pomp und Halleluja ziehen die Massen an. Dabei ist die UFC emsig bemüht, ihre Athleten nicht als tumbe Kampfmaschinen darzustellen. Viele hätten einen College-Abschluss, heißt es, und weil weniger Schläge auf den Kopf verteilt würden als beim Boxen, sei nicht mit Langzeitschäden zu rechnen.
Den deutschen Konzertveranstalter Marek Lieberberg, der die UFC-Veranstaltung in Köln für die US-Amerikaner ausrichtet, ärgern die Worte über die geplante Show. "Die UFC ist in keinem einzigen bekannten Fall als Motiv für gewalttätige oder brutale Vorfälle festgemacht worden", teilt er in einer Erklärung mit. "Derartige Vorwürfe sind völlig aus der Luft gegriffen."
Angst vor der Kritik des deutschen Publikums hatte der Casino-Milliardär Lorenzo Fertitta aus Las Vegas, einer der Inhaber der UFC, Ende letzten Jahres nicht. Zu brutal? Nichts als rohe Gewalt? Eine banale Befriedigung niedrigster Zuschauer-Gelüste? "Dieser Meinung sind wir auch hier in den USA begegnet", sagte er, "es hat eine Weile gedauert, aber wir sind darüber hinweg gekommen."
In Deutschland werden jetzt allerdings Stimmen laut, die nicht nur eine Altersbeschränkung, sondern ein völliges Verbot der UFC fordern. Im Deutschlandfunk sagte Christian Pfeiffer, der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen: "So etwas fördert Gewalt bei Gefährdeten, und deswegen kann man es verbieten, genauso wie man Gewalt verherrlichende Computerspiele nach 131 StGB verbieten kann."
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