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Umfrage: Israelis für Obama

Während der Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nicht klar Stellung bezieht, ist das israelische Volk in der Mehrheit für eine Zwei-Staaten-Lösung - und für Obama.

Jerusalem. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu werde sich bald entscheiden müssen, lautet der fast einhellige Tenor der israelischen Reaktionen auf die Kairoer Rede von US-Präsident Barack Obama: "Entweder er sagt Ja oder Nein zu Obama." Für einen Siedlungsstopp und eine Zwei-Staaten-Lösung - was Obama verlangt hatte - hätte Netanjahu jedenfalls eine Mehrheit in Israel, wie eine am Freitag in der Zeitung Yedioth Achronoth veröffentlichte Umfrage nahelegt.

56 Prozent der Israelis sind demnach dafür, Obamas Forderungen nachzugeben. 40 Prozent finden indes, Netanjahu solle sie zurückweisen, selbst unter Inkaufnahme denkbarer Sanktionen. Aus unterschiedlichen Gründen ist jeder zweite Israeli überzeugt, dass ihr Regierungschef die Krise mit den USA nicht angemessen handhabe. Fast genau so viele sehen auch Obama kritisch und meinen, ihm sei mehr an einem palästinensischen Staat als an israelischen Sicherheitsinteressen gelegen.

Die Siedlungsfrage wird weniger dazu gerechnet. Für den Anspruch der Siedler auf "natürliches Wachstum" haben zwar viele Verständnis. Weit mehr noch, satte 85 Prozent, würden aber eine Siedlungsräumung widerstandslos akzeptieren. Bislang freilich hat Obama nur ein Einfrieren des Siedlungsbaus gefordert. Damit haben selbst Wähler der rechtsnationalen Partei von Außenminister Avigdor Lieberman kein großes Problem. 60 Prozent von ihnen meinen, ein Siedlungsstopp rechtfertige keinen Koalitionsaustritt.

Netanjahu hat also politischen Spielraum, wenn er sich bewegen will. Darauf setzt Obama. Bei einem Gespräch mit sechs arabischen und einem israelischen Journalisten im Anschluss an seine Kairoer Rede gab sich der US-Präsident zuversichtlich, dass Netanjahu "die strategische Notwendigkeit, Frieden in Nahost zu erreichen", erkenne. Womöglich erhalte gerade er eine Gelegenheit, gab der israelische Teilnehmer in der Runde, Nahum Barnea, die Worte Obamas wieder, "die kein Führer der Arbeitspartei oder der Linken bekommen würde". Schließlich habe auch nur "ein Antikommunist wie Richard Nixon die Tür zu China aufstoßen können".

Maariv-Kommentator Ben Caspit ist da skeptischer. Wenn Netanjahu auf Obamas Kurs einschwenken, in die Geschichtsbücher eingehen und Frieden eine Chance geben wolle, müsse er die Kadima-Fraktion von Zipi Livni ins Kabinett holen, und sich als "wahrer Führer beweisen". Es gebe aber eine Menge Zweifel, so Caspit, ob Netanjahu bei seinem ideologischen Hintergrund das "Zeug zu einer solcher Veränderung hat".

Autor:  INGE GÜNTHER
Datum:  5 | 6 | 2009
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