Um die Entstehung der Doktorarbeit von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) ist eine öffentliche Diskussion entbrannt. Der hessische SPD-Generalsekretär Michael Roth verlangte am Freitag eine "klare Aussage" von Ministerin Schröder, ob sie eine fundierte Doktorarbeit abgeliefert habe, die auf eigener wissenschaftlicher Arbeit beruht, "oder ein Mogel-Diplom, bei dem wesentliche Teile von anderen, möglicherweise bezahlten Hilfskräften erledigt worden sind", sagte Roth in Wiesbaden.
Schröders Arbeit mit dem Titel "Gerechtigkeit als Gleichheit" ist an der Gutenberg-Universität Mainz entstanden und untersucht, wie sich die Wertvorstellungen von CDU-Bundestagsabgeordneten von CDU-Mitgliedern an der Basis unterscheiden. 1000 Parteimitglieder musste Schröder dafür befragen - verschickt wurden die Fragebögen freundlicherweise von der Bundeszentrale der CDU.
Doktorvater von Kristina Schröder ist der bekannte Politologe Jürgen Falter, Professor an der Mainzer Gutenberg-Universität. Schröder beschäftigte ausgerechnet den wissenschaftlichen Mitarbeiter ihres Doktorvaters Falter als Hilfskraft bei der Fertigstellung ihrer Promotion.
Dies sei "ein eingekaufter Luxus, von dem andere Doktoranden nur träumen können", wunderte sich die Süddeutsche Zeitung. Und der Deutschlandfunk resümierte, Schröder habe "eine mustergültige Typ-II-Arbeit vorgelegt, also ein Werk, das weniger vom Interesse an der wissenschaftlichen Arbeit, sondern mehr von dem Wunsch nach einem akademischen Titel geprägt ist".
"Garstige Post vom Anwalt"
Eine Anfrage der FR wird vom Sprecher des Bundesfamilienministeriums, Marc Kienert, folgendermaßen beantwortet: Man gebe keine Stellungnahme ab. Ministerin Schröder habe zu diesem Thema alles dem privaten Internet-Blog von Bild-Chef Kai Diekmann gesagt. Dort sollten andere Medien abschreiben.
Frau Schröder habe auf eine normale Anfrage der Bild-Zeitung sofort mit "garstiger Post vom Anwalt" reagiert, steht dort. Zur Frage, warum sie ausgerechnet den wissenschaftlichen Mitarbeiter ihres Doktorvaters beschäftigt habe, sagt Schröder: "Für solche Hilfsdienste benötigt man große Akribie. Außerdem muss man ein gewisses statistisches Verständnis mitbringen." Als Beispiel nennt Schröder, dass in ihrer Arbeit männliche und weibliche CDU-Mitglieder befragt wurden. Der Mitarbeiter habe "dann ein Codierungsbuch angelegt: männlich = 0, weiblich = 1", so Schröder. Ob das nicht auch eine Sekretärin könne, wird sie gefragt. Nein, sagt Schröder, das könne nur ein Wissenschaftler und einen Interessenkonflikt sehe sie auch nicht.
Der Präsident der Mainzer Gutenberg-Universität, Georg Krausch, teilt mit, es habe sich "kein Hinweis auf ein mögliches wissenschaftliches Fehlverhalten der Kandidatin ergeben". Zuarbeiten von Hilfskräften seien "wissenschaftlich legitim und im Rahmen vieler Dissertationen üblich". Die Tätigkeiten des Mitarbeiters seien "gegen entsprechende Honorierung für Frau Schröder erledigt" worden. Doktorvater Falter und der Mitarbeiter seien bereit, eidesstattlich zu versichern, dass alles korrekt ablief.
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