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UN-Bericht zu Darfur: Helfer unter Verdacht

Eine deutsche Hilfsorganisation für Flüchtlinge soll bewaffnete Rebellen in der sudanesischen Region Darfur unterstützen. Gelangt deutsches Spendengeld in die Hände der Rebellen? Von Viktor Funk

Eine Fatamorgana? Laut UN gibt es diese Schule in Darfur nicht. Deutsche Helfer wollen unter Eid das Gegenteil bezeugen.
Eine Fatamorgana? Laut UN gibt es diese Schule in Darfur nicht. Deutsche Helfer wollen unter Eid das Gegenteil bezeugen.
Foto: Darfur-Hilfe

Der UN-Bericht liest sich wie ein Krimi: Eine deutsche Hilfsorganisation für Flüchtlinge soll bewaffnete Rebellen in der sudanesischen Region Darfur unterstützen. Die Helfer sollen Geld für drei Schulen in Tine sammeln, von denen die UN-Autoren behaupten, dass es sie gar nicht gibt. Wer den neuesten Darfur-Bericht des UN-Sicherheitsrats mit der Nummer S/2009/562 liest, kann den Eindruck gewinnen, dass das Geld deutscher Spender in die Hände der Rebellen, der "Bewegung für Gerechtigkeit und Gleichheit" (JEM), fällt.

Die Rebellen gehören zur wichtigsten politisch-militärischen Gruppe im Sudan. Sie lehnen zurzeit Verhandlungen mit der Regierung in Khartum ab. Würde man eine Rangliste der Bad Boys im Sudan aufstellen, stünde die Regierung unter Generalleutnant Umar Hasan Ahmad al-Baschir allerdings weit oben - und die JEM weit unten. Gegen al-Bashir liegt ein internationaler Haftbefehl vor, weil er hauptsächlich für die humanitäre Katastrophe in der westlichen Region Darfur verantwortlich gemacht wird. Doch eine weiße Weste hat die JEM auch nicht. Die Darfur-Hilfe soll sie angeblich unterstützen.

Der Verein ist klein, hat rund 25 eingetragene Mitglieder, einige Sudanesen aus Darfur gehören dazu, die meisten sind Deutsche, darunter Wissenschaftler, Politologen und Ethnologen. Zwei deutsche Ethnologinnen, Grit Jungstand und Meike Meerpohl, haben in Darfur geforscht, beide haben die Schulen, die es nicht geben soll, mit aufgebaut.

"Wir haben die Schulen regelmäßig ganz ohne Ankündigungen besucht", sagt Jungstand. Und Meerpohl legt Fotos der Schulen aus dem Jahr 2006 vor, als sie auf den UN-Bericht angesprochen wird. Sie ist selbst darauf zu sehen, mit Büchern, die mit Spendengeld gekauft wurden. Beide Frauen betonen, sie würden "eidesstattlich versichern", dass es die drei Schulen gibt. "Wir haben keinerlei Personalkosten, alles fließt nach Darfur, in die Schulen", so Jungstand.

Nach Angaben des Vereins sind seit 2004 rund 71.000 Euro an Spenden zusammengekommen. Bis auf 15.000 sei alles bereits in die Schulen investiert worden. Mit dem Rest des Geldes sollen dort Toiletten gebaut werden.

Bei den UN ist es schwieriger, mehr zum Bericht zu erfahren. Trotz mehrerer FR-Anfragen ließ sich bisher nicht klären, wer zu den Schulen in Tine recherchierte und sie jetzt anzweifelt. Laut Ulrich Delius, Afrika-Referent bei der Gesellschaft für bedrohte Völker, verletzt der UN-Bericht die Sorgfaltspflicht.

"Man muss von der UN die höchsten Standards erwarten und die sind hier nicht erfüllt worden. Unter anderem wird eine Person wegen eines ähnlichen Namens verwechselt." Adam Eltom, Vorsitzender der Darfur-Hilfe, beklagt zudem, dass mit dem Verein "niemand von der UN gesprochen hat". Darfur-Hilfe bestreitet dagegen nicht, dass einige Vereinsmitglieder womöglich mit den Rebellen sympathisieren.

Die UN versuchen seit Jahren, die Situation in Darfur zu befrieden. Bisher ist die Mühe vergebens. Die Regierung in Khartum geht auf die UN-Forderungen genauso wenig ein wie die unterschiedlichen Rebellengruppen.

JEM selbst hat in einer Presseerklärung jegliche Verbindung zu Darfur-Hilfe verneint. "Hätten wir sie, würden wir uns geehrt fühlen", teilt Khalil Ibrahim Mohamed mit, nach eigener Darstellung Präsident der JEM.

Autor:  Viktor Funk
Datum:  15 | 12 | 2009
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