Gaza-Stadt. Vor der entscheidenden Abstimmung im israelischen Sicherheitskabinett über eine Waffenruhe haben die Streitkräfte am Samstag nochmals rund 50 Ziele im Gazastreifen bombardiert.
Nach Militärangaben wurden Schmugglertunnel, Waffenlager und Stellungen von Hamas-Kämpfern beschossen. Allerdings wurde auch eine Schule der Vereinten Nationen getroffen, in der rund 1.600 Flüchtlinge Schutz gesucht hatten. Zwei Jungen wurden getötet. Israel müsse für den Beschuss zur Verantwortung gezogen werden, sagte ein UNRWA-Vertreter.
UN-Sprecher Chris Gunness verurteilte den Beschuss heftig. Eine Sprecherin der Gesundheitsbehörde, Dr. Moaiya Hassanin, sagte weiter, 25 Menschen seien verletzt worden. Gunness erklärte, Israel kenne die Koordinaten der Schule und wisse, dass das Gebäude als Schutzraum genutzt werde.
Der UN-Sprecher forderte eine Untersuchung wegen eines möglichen Kriegsverbrechens. Die israelischen Streitkräfte prüften den Vorfall und äußerten sich nicht.
Israel hat nach Angaben aus hochrangigen israelischen Kreisen sein Ziel im Gazastreifen erreicht und plant nun eine Waffenruhe. Das Kabinett müsse einer Einstellung der Kämpfe zustimmen, hieß es.
Neun weitere Menschen fielen den israelischen Angriffen am Samstag zum Opfer. Seit Beginn der Offensive vor drei Wochen sind nach palästinensischen Angaben 1.140 Menschen getötet worden, etwa die Hälfte davon Zivilpersonen. Das israelische Militär erklärte, in der Nacht seien rund 50 Ziele getroffen worden.
Das israelische Kabinett wollte am Samstag über eine einseitige Waffenruhe beraten. Die Hamas kündigte indes an, sie wolle weiter kämpfen, wenn ihre Forderungen nicht gehört würden.
Der Hamas-Vertreter Osama Hamdan sagte, eine Delegation reise ohne neue Vorschläge zu den Verhandlungen nach Kairo. "Entweder wir hören, was wir wollen" oder die Kämpfe gingen weiter, sagte Hamdan, der dem im syrischen Exil lebenden Hamas-Führer Khaled Maschaal nahesteht.
Ein weiterer Vertreter der radikalislamischen Organisation, Sami Abu Suhri, erklärte ebenfalls, man werde nicht aufgeben oder die weiße Flagge hissen, wenn die Forderungen nicht erfüllt würden. "Wir werden trotz unserer beschränkten Mittel weiter kämpfen."
Ende des Waffenschmuggels als Schlüssel zum Frieden
Ein einseitig von Israel verkündeter Waffenstillstand würde die Bedingungen der Hamas nicht berücksichtigen. Voraussichtlich würde Israel die Kampfhandlungen nach einem ägyptischen Vorschlag zunächst für zehn Tage einstellen, so lange keine Raketen mehr auf Israel abgeschossen werden.
Die Truppen würden im Gazastreifen verbleiben und die Grenzen zunächst weiter geschlossen halten, bis eine internationale Überwachung der Grenze zu Ägypten ein Ende des Waffenschmuggels garantieren könnte.
Unter anderem Deutschland und die USA haben bei der Einrichtung einer effektiven Grenzüberwachung Hilfe zugesagt. Israelischen Medien zufolge könnte es schon am Sonntag einen Friedensgipfel in Kairo geben, an dem unter anderen UN-Generalsekretär Ban Ki Moon teilnehmen sollte.
Ban sprach am Samstag vor dem libanesischen Parlament und erneuerte seine Forderung nach einem sofortigen Waffenstillstand. Eine Feuerpause würde der Offensive rechtzeitig vor der Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Barack Obama Einhalt gebieten.
Zudem wird in Israel am 10. Februar ein neues Parlament gewählt, was den Lösungsdruck auf die israelischen Akteure verstärkt. Militante Palästinenser feuerten unterdessen erneut fünf Raketen in den Süden Israels. Es entstand Sachschaden, verletzt wurde niemand. Seit Beginn der Offensive wurden 13 Israelis getötet, darunter neun Soldaten.
In der von Israel angegriffenen Schule hatten sich zum Zeitpunkt des Zwischenfalls 1800 Menschen zusammengedrängt, die vor den Kämpfen aus ihren Häusern geflohen waren.
Bereits am 6. Januar waren bei einem israelischen Angriff auf eine UNRWA-Schule in Gaza mehr als 30 Menschen getötet worden. Die UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay hatte damals von "schweren Verletzungen des humanitären Völkerrechts" in Gaza gesprochen. Solche könnten auch ein "Kriegsverbrechen" darstellen, das strafrechtlich geahndet werden könne. (dpa/rtr/ap)
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