Die Weltöffentlichkeit hat mit Empörung auf den neuen Atombombentest Nordkoreas reagiert. Die US-Regierung und die Europäische Union verurteilten den Test in scharfer Form. Die Vetomächte im Weltsicherheitsrat sind am Montagabend zu einer Dringlichkeitssitzung zusammengekommen. Mit den Botschaftern der USA, Russlands, Chinas, Großbritanniens und Frankreichs erörterten die diplomatischen Vertreter von Südkorea und Japan eine angemessene Reaktion des höchsten UN-Gremiums zu der unterirdischen Atomexplosion. Im Anschluss wollten die Vetomächte sich mit den anderen Mitgliedern des Sicherheitsrates verständigen.
Japans Vize-Außenminister Mitoji Yabunaka hatte als erster zu einem solchen Treffen aufgerufen und gefordert, Nordkoreas Verhalten scharf zu geißeln. Eine Resolution aus dem Jahr 2006, mit der die Staatengemeinschaft auf Nordkoreas ersten Atombombentest reagiert hatte, verbietet dem Land alle Versuche mit Nuklearwaffen und ballistischen Raketen.
US-Präsident Barack Obama bezeichnete die Tests als "Bedrohung für den internationalen Frieden und die internationale Sicherheit". Obama kündigte in einer am Montag in Washington veröffentlichten Erklärung eine Reaktion der internationalen Gemeinschaft an. Das Vorgehen Pjöngjangs sei zwar keine Überraschung, aber "Grund zu tiefer Besorgnis für alle Nationen".
"Diese unverantwortlichen Handlungen rechtfertigen eine harte Antwort der internationalen Gemeinschaft", erklärte der EU- Außenbeauftragte Javier Solana in Brüssel. Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich tief besorgt. Der britische Premierminister Gordon Brown nannte Nordkorea eine "Gefahr für die Welt", während Frankreich ankündigte, mit seinen Partnern über eine Verschärfung von Sanktionen sprechen zu wollen.
Harte Worte gab es selbst von den wichtigsten Verbündeten des kommunistischen Regimes in Pjöngjang. So lehnt China die Tests "entschieden" ab. In einer kurzen Reaktion des Außenministeriums hieß es laut amtlicher Nachrichtenagentur Xinhua lediglich weiter, Nordkorea habe den Nukleartest unter Missachtung der weit verbreiteten Opposition dagegen vorgenommen. Russland sprach von einem Verstoß gegen die UN-Resolution, die die Spannungen in der Region verschärfe. Dies sei auch ein schwerer Rückschlag für die Bemühungen um eine Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen, so das Außenministerium in Moskau.
Merkel setzt auf Gespräche
Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte die internationale Gemeinschaft zu einem geschlossenen Vorgehen auf. "Wir müssen alles daran setzen, dass die Gespräche wieder aufgenommen werden", sagte sie in Berlin. Die Sechs-Parteien-Gespräche seien ein starkes Signal der Geschlossenheit der Weltgemeinschaft gewesen. "Ich hoffe, dass es im UN-Sicherheitsrat gelingt, dieses Signal der Geschlossenheit wieder deutlich zu machen."
Für den SPD-Verteidigungsexperten Hans-Peter Bartels unterstreicht der koreanische Atomversuch die Notwendigkeit, die letzten US-Atomwaffen aus Deutschland abzuziehen. "Wenn wir selbst zum Verzicht auf solche Waffen bereit sind, können wir viel glaubwürdiger von anderen Staaten verlangen, nicht nach Nuklearwaffen zu greifen", sagte Bartels der FR. Der Kalte Krieg, der ein Gleichgewicht des Schreckens mit dem Ostblock nötig gemacht habe, sei längst vorbei. krö/dpa/rtr/afp
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
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