ZDF-Noch-Chefredakteur Nikolaus Brender hat Unterstützung zahlreicher namhafter Kollegen bekommen. Die deutschen Erstunterzeichner der Europäischen Charta für Pressefreiheit warnten den ZDF-Verwaltungsrat vor einer Entlassung Brenders. Dies wäre ein "massiver politischer Eingriff in die Unabhängigkeit" des ZDF und zugleich der "erste flagrante Verstoß gegen die Europäische Charta für Pressefreiheit", heißt es in einer Erklärung.
Zu den Unterzeichnern gehören die Chefredakteure und führende Journalisten des Stern, Spiegel und Geo, von Axel Springer sowie Gruner & Jahr, aber auch der Zeit, Welt, FAZ, Financial Times Deutschland und der Frankfurter Rundschau.
Die Unterzeichner appellieren an die Mitglieder des Verwaltungsrates: "Respektieren Sie die im Grundgesetz verankerte Rundfunkfreiheit, respektieren Sie die Unabhängigkeit der Medien von politischen Einflüssen und respektieren Sie den Willen des ZDF-Intendanten Markus Schächter, den Vertrag von Nikolaus Brender zu verlängern!" Die Unterzeichner kündigten an, sie würden die EU-Kommission und den Europarat von der Verletzung der Charta unterrichten, falls "der ZDF-Chefredakteur durch politischen Druck aus dem Amt entfernt werden sollte".
Der ZDF-Verwaltungsrat wird am Freitag über die Zukunft Brenders entscheiden. Dies muss er den Statuten gemäß in Übereinstimmung mit dem ZDF-Intendanten Markus Schächter tun. Der hatte sich für eine Vertragsverlängerung ausgesprochen und will Brender am Freitag zur Wiederwahl vorschlagen. Dafür ist eine Mehrheit von neun der 14 Mitglieder notwendig. Allein neun Mitglieder der im wesentlichen aus der Politik entsandten Personen werden dem konservativen Lager zugerechnet.
Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU), Vize-Vorsitzender des ZDF-Verwaltungsrats, hat sich entschieden gegen eine Verlängerung des Vertrags mit dem als politisch unabhängig geltenden Brender ausgesprochen. Als Gründe führt Koch unter anderem die negative Entwicklung der Quoten im Informationsbereich des ZDF an. Der saarländische Regierungschef Peter Müller (CDU), der auch dem Verwaltungsrat des Senders angehört, ließ ausrichten, er werde die vereinbarte Vertraulichkeit wahren und sich vor der Sitzung nicht über die Zukunft von Brender äußern.
Nach einer Reihe namhafter Staatsrechtler und den Charta-Unterzeichnern hat sich auch der deutsche Journalistenverband DJV für Brender eingesetzt. Der Chefredakteur des ZDF dürfe nicht zugunsten eines parteiischen Nachfolgers abgelöst werden, hieß es. (fes/dpa/epd)
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