Inspektoren der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) schauten zu, als Techniker am Dienstag in der iranischen Uran-Anreicherungsanlage Natans auf den Knopf drückten. Die Iraner setzten eine Kaskade von 164 Zentrifugen in Gang, die Uran-Hexafluorid zu 20 Prozent mit dem Isotopen U-235 anreichern soll, der im Ausgangsprodukt nur zu sieben Tausendstel enthalten ist. Am Montag hatte Irans Botschafter bei der IAEA in Wien, Ali Asghar Soltanieh, dies dem neuen Generaldirektor der Atombehörde, dem Japaner Yukiya Amano, angekündigt.
Diese Inszenierung sollte veranschaulichen, dass der Iran keine Hilfe von Außen braucht, um Brennstäbe für einen Forschungsreaktor in Teheran und möglicherweise waffenfähiges Spaltmaterial herzustellen. Doch die nächste Pointe folgte sogleich: Wenn der Westen den auf 20 Prozent angereicherten Brennstoff liefert, würde der Iran die eigene Produktion einstellen, erklärte der Leiter des iranischen Atomenergieprogramms, Ali Akbar Salehi.
Präsident Mahmud Ahmadinedschad kann sicher sein, dass jeder seiner Winkelzüge großen Widerhall in den Medien findet. Die Fachwelt jedoch prüft die iranischen Fähigkeiten nüchtern. Nach dem jüngsten Bericht der IAEA besaß der Iran im November 8700 Zentrifugen, von denen etwa die Hälfte nicht funktionierten. Bisher konnten die Iraner 1800 Kilo Uran auf 3,5 Prozent U-235 anreichern. Eine Atombombe benötigt einen Anreicherungsgrad von mindestens 85 Prozent. Ziel der Iraner ist, 50 000 Zentrifugen in Betrieb zu nehmen.
Ahmadinedschad plant weitere Anlagen
Ahmadinedschad bekräftigte am Montag seine Pläne, weitere zehn Anreicherungsanlagen zu bauen. Das Institut für Wissenschaft und internationale Sicherheit (Isis) in Washington, das eng mit der IAEA zusammenarbeitet, hält diese Pläne für übertrieben. Es sei praktisch ausgeschlossen, dass der Iran in absehbarer Zeit zehn Anlagen wie jene in Natans errichtet. Möglich wäre laut Isis eine Verteilung der bestehenden Zentrifugen auf mehrere Orte, um ihre Vernichtung durch einen Militärschlag zu erschweren.
Theoretisch könnten die Iraner aus 200 Kilo leicht angereichertem Uran 20 Kilo Brennstoff herstellen. Diese Menge würde ausreichen, um den Forschungsreaktor mindestens ein Jahr zu betreiben. Reich an Hindernissen wäre aber die Verarbeitung zu Brennstäben für den speziellen Reaktortyp. Derzeit besitzen nur Frankreich und Argentinien das nötige Know-how.
Wann der Iran Spaltmaterial für militärische Zwecke herstellen könnte, hängt von etlichen Umständen ab. Sicher ist, dass Teheran die Vorräte an Natururan ausgehen. Ende Dezember meldete die Nachrichtenagentur AP mit Bezug auf Geheimdienste, dass der Iran 1350 Tonnen gereinigtes Uranerz illegal in Kasachstan kaufen wolle. Experten bezweifeln diese Geschichte. Kasachstan hat keinen Zugang zum Meer und keine gemeinsame Grenze mit dem Iran. Der Transport einer solchen Menge Uran durch ein Drittland scheint riskant. Kasachstan ist auf seinen Ruf in atomaren Belangen bedacht, weil sich das Land um den Sitz einer "internationalen Kernbrennstoffbank" bewirbt.
US-Verteidigungsminister Robert Gates hält unterdessen im Atomstreit eine Entscheidung über neue UN-Sanktionen bereits binnen einiger Wochen für möglich. Gegenüber dem US-Fernsehsender FoxNews zeigte er sich am Montag (Ortszeit) zuversichtlich, dass ein internationaler Konsens zustande kommen wird.
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