In Uruguay hat der ehemalige Guerilla-Kämpfer José Mujica gute Chancen, zum Präsidenten gewählt zu werden. Damit würde Uruguay weiterhin zum linken Lager in Lateinamerika gehören. Der 74-Jährige würde dem jetzigen Präsidenten Tabaré Vázquez nachfolgen, der vor fünf Jahren als erster moderat Linker nach langen Jahren der Diktatur und der konservativen Herrschaft die Wahl spektakulär gewann.
Aber Vázquez ist nicht sehr überzeugt von seinem früheren Landwirtschaftsminister, dem er öffentlich vorwarf, er rede schon mal "dummer Zeug". Ob und wann der hochangesehene Vázquez den Kandidaten mit einem öffentlichen Treffens unterstützt, darüber wird seit Wochen spekuliert.
Vázquez argumentiert jetzt, sein Amt verpflichte ihn zur Neutralität. Dabei hat er früher nie einen Hehl daraus gemacht, dass er die Amtsschärpe viel lieber an den moderaten Danilo Astori, seinen Ex-Wirtschaftsminister, weitergeben würde. Astori hatte sich im Sommer ebenfalls um die Kandidatur für die Regierungspartei Frente Amplio gekämpft, war Mujica aber unterlegen und bewirbt sich nun als dessen Vizepräsident.
Die Umfrageinstitute sagen dem Duo Mujica-Astori um die 45 Prozent der Stimmen voraus, aber das schon seit Wochen. Der aussichtsreichste Gegner, der konservative Ex-Präsident Luis Alberto Lacalle, kommt danach auf um die 30 Prozent, wobei sein Anteil in letzter Zeit leicht sinkt. Die beiden großen Lager legen nicht mehr zu, stattdessen steigt die Zahl der Unentschlossenen - unüblich für die politische Tradition Uruguays.
Überfälle, Entführungen und andere Aktionen
Dass Mujica im ersten Wahlgang am nächsten Sonntag gewinnt, schließen die Demoskopen zwar nicht aus. Aber wahrscheinlicher ist ein zweiter Wahlgang, bei dem Lacalle wohl auf die derzeit etwa acht Prozent der Stimmen rechnen kann, die am nächsten Sonntag dem Rechten Pedro Bordaberry zufließen dürften, dem Sohn des früheren Diktators José Maria Bordaberry.
Mujica, der in den Sechzigern an Überfällen, Entführungen und anderen Aktionen der Tuparmaro-Guerilla teilnahm, verbrachte fast 15 Jahre seines Lebens im Gefängnis. Nach der Demokratisierung in den Achtzigern gründete er eine Linksgruppierung, die später in der heutigen Regierungspartei Frente Amplio aufging.
Ihn als Linksradikalen abzuqualifizieren fällt seinem Gegner Lacalle schwer. Denn erstens hat er Astori als Gewährsmann für wirtschaftspolitische Besonnenheit an der Seite, und zweitens geht Mujica längst offen auf das bürgerliche Lager zu: Es sind nicht nur die Designer-Anzüge, die er neuerdings trägt, sondern seine versöhnliche Sprache und seine verbalen Verbeugungen vor dem Kleinbürgertum.
Der 67-jährige Luis Alberto Lacalle, der von 1990 bis 1995 bereits Präsident war, ist den Wählern als Verfechter des Neoliberalismus in Erinnerung. In seine Amtszeit fällt die unpopuläre Privatisierung von Staatsbetrieben. Kürzlich hat er daran die unangenehme Erinnerung wach gerüttelt, als er ankündigte, "mit der Motorsäge" an die Staatsausgaben gehen zu wollen.
Ähnlich schädlich wie diese Worte für Lacalle waren für Mujica die eigenen Dampfplaudereien. Mujica ließ einige wenig diplomatische Worte über Argentinien und die Argentinier los, was Zweifel an seiner Beherrschtheit weckte. Ein Buch, in dem Mujicas Sprüche wiedergeben sind, hat sich mittlerweile zum Renner der Saison entwickelt.
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