In Uruguay hat der Kandidat des Regierungslagers, der frühere Guerilla-Kämpfer José Mujica, den Sieg bei der Präsidentschaftswahl knapp verfehlt. Nun muss er Ende November in einer Stichwahl gegen den Rechts-Kandidaten Luis Alberto Lacalle antreten.
Mujica kam auf etwa 48, Lacalle auf rund 30 Prozent der Stimmen. Der dritte Kandidat von Gewicht, Pedro Bordaberry, errang 17 Prozent und rief noch am Wahlabend seine Anhänger auf, am 29. November für Lacalle zu stimmen. Damit stünden sich dann zwei etwa gleich starke Lager gegenüber.
Mujica hat bereits in den letzten Tagen vor der Wahl am Sonntag Bündnisse mit anderen Parteien vorgeschlagen, um Reformen des Gesundheits- und Erziehungssystems oder beim Umweltschutz voranzubringen. Uruguays Wirtschaft hat sich in den vergangenen fünf Jahren unter der ersten linken Regierung des Landes wirtschaftlich gut entwickelt.
Durch das Patt wird womöglich ein Politiker zum Zünglein an der Waage, der gar nicht zur Wahl steht - der scheidenden Präsident Tabaré Vázquez, dem das Kunststück gelingt, mit einer höheren Zustimmung als bei Amtsbeginn abzutreten. Vázquez hatte sich im Wahlkampf mit Unterstützung für seinen Parteigenossen Mujica auffällig zurückgehalten und ihm sogar öffentlich vorgeworfen, er rede manchmal "Blödsinn". Nun, da es knapp wird für Mujica, wird der Druck auf Vázquez steigen, sich öffentlich auf die Seite des Nachfolge-Kandidaten zu stellen. Die Verfassung verwehrt dem hoch populären Vázquez eine zweite Amtszeit. Theoretisch könnte er jedoch 2014 erneut antreten, wozu er bereits jetzt gedrängt wird.
Die Geister von gestern
Lieber als den prononciert linken Ex-Guerillero Mujica hätte Vázquez seinen ehemaligen Wirtschaftsminister Danilo Astori als Nachfolge-Aspiranten gesehen. Der wäre für bürgerliche Wähler eher akzeptabel gewesen als Mujica und hätte sich womöglich gleich im ersten Wahlgang durchgesetzt. Astori unterlag aber bei internen Wahlen des Regierungsbündnisses Frente Amplio, ist jedoch Mujicas Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten.
Der 67-jährige Lacalle, der wichtigste Kandidat der Rechten, hat das kleine Land mit seinen 3,3 Millionen Bürgern bereits von 1990 bis 1995 regiert. Er ist als Vertreter des Neoliberalismus in Erinnerung, der Staatsbetriebe privatisierte. Er und seine konservative Nationalpartei treten für Steuersenkungen und die Drosselung des staatlichen Einflusses ein. Bordaberry ist der Sohn des früheren Diktators José Maria Bordaberry (1972-1976), der heute wegen Menschenrechtsverbrechen unter Hausarrest steht.
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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