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10. November 2012

Urwahl der Grünen Bundestagswahl: Göring-Eckardt und Trittin treten für Grüne an

Katrin Goering-Eckardt und Juergen Trittin treten für die Grünen als Spitzenkandidaten bei der Bundestagswahl 2013 an. Foto: dapd

Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin führen die Grünen in die Bundestagswahl 2013. Bei der Urabstimmung setzten sich die beiden Politiker am Samstag gegen ihre Mitbewerber, darunter Parteichefin Claudia Roth und Co-Fraktionschefin Renate Künast durch.

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Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin führen die Grünen in die Bundestagswahl 2013. Bei der Urabstimmung setzten sich die beiden Politiker am Samstag gegen ihre Mitbewerber, darunter Parteichefin Claudia Roth und Co-Fraktionschefin Renate Künast durch.

Berlin –  

Die Grünen ziehen mit ihrem Fraktionsvorsitzenden Jürgen Trittin und Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt in den Bundestagswahlkampf 2013. Beide setzten sich in einer Urwahl der Parteibasis durch, wie Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke am Samstag in Berlin mitteilte. Unterlegen waren Bundestags-Ko-Fraktionschefin Renate Künast sowie die Parteivorsitzende Claudia Roth. Außerdem traten elf weitgehend unbekannte Kandidaten an.

Fast eine Woche lang hatten rund 50 Helfer in den Uferstudios im Stadtteil Wedding die Wahlbriefe ausgezählt. In Regionalkonferenzen hatten sich die Kandidaten gemeinsam den Fragen der Basis gestellt. Laut Parteisatzung muss einer der beiden Kandidaten eine Frau sein.

An der Urwahl beteiligt hatten sich laut Lemke 61,73 Prozent der fast 60.000 Parteimitglieder. 35.065 Stimmzettel wurden schließlich gewertet.

Die Basis habe sich entschieden für eine „Balance zwischen Kontinuität und Erneuerung“ und zwischen den Flügeln, sagte Lemke. „Wir haben mehr Demokratie gewagt. Die Urwahl hat gezeigt, dass grüne Demokratie lebt und dass grüne Demokratie weise Entscheidungen trifft“, betonte die Bundesgeschäftsführerin. Sie empfahl den anderen Parteien, sich die Urwahl der Grünen „genau anzuschauen“. Hinterzimmerentscheidungen würden nun weniger Chancen haben. Sie werde mit den beiden Kandidaten einen „knallgrünen Wahlkampf hinlegen“, kündigte die designierte Wahlkampfleiterin an.

Klarer Sieg für Trittin

Mit 71,9 Prozent war Trittin der klare Sieger der Urwahl. Lemke bezeichnete den 58-Jährigen als „Anwalt des Atomausstiegs“ und als Kandidat, der besonders für das ökologische Profil der Grünen stehe. Trittin bringt reichlich politische Erfahrung mit. Er ist unumstritten die linke Führungsfigur der Partei. 1994 bis 1998 war Trittin Parteichef, seit 2009 ist er Fraktionschef im Bundestag. Von 1998 bis 2005 war er Bundesumweltminister.

Auf Spitzenkandidatin Göring-Eckardt entfielen 47,3 Prozent. Als „Anwältin der Ärmsten“ und „Kämpferin für soziale Gerechtigkeit“ wurde sie von Lemke gepriesen. Die 46-jährige Thüringerin genießt als langjährige Vizepräsidentin des Bundestages parteiübergreifend Respekt. Die studierte Theologin wurde erstmals 1998 in den Bundestag gewählt, ihre Schwerpunkte sind die Sozial- und Familienpolitik. 2009 wurde die Mutter von zwei Kindern zur Präses der Synode der Evangelischen Kirche gewählt.

Trittins Ko-Fraktionschefin Künast kam nur auf 38,6 Prozent. Für die 56-Jährige ist dies nach 2011 erneut eine herbe Niederlage. Damals wollte sie Regierende Bürgermeisterin von Berlin werden - und scheiterte. Ein Regierungsamt hatte Künast schon einmal inne, von 2001 bis 2005 war sie Verbraucherschutzministerin.

Ko-Parteichef Cem Özdemir schwärmte nach der Wahl von „zwei starken Spitzenkandidaten, die sehr unterschiedliche Lebensläufe haben und für verschiedene Themen stehen“. Sie repräsentierten damit „auch das breite Politikangebot, mit dem wir Grüne antreten wollen“, sagte er dem in Stuttgart erscheinenden Blatt „Sonntag Aktuell“. Und Tübingens Grünen-Oberbürgermeister Boris Palmer sagte zu „Tagesspiegel Online„: „Das ist für mich der schönste Tag in der grünen Partei seit der Wahl von Winfried Kretschmann.“

Vom Erfolg der Grünen im Südwesten, wo die Partei mit Kretschmann erstmals den Ministerpräsidenten stellt, will die aus Ostdeutschland stammende Göring-Eckardt denn auch lernen. Baden-Württemberg zeige, dass auch die bürgerliche Mitte eine bessere Gesellschaft wolle, sagte die frischgebackene Spitzenkandidatin. Ähnlich äußerte sich Trittin, und so ist zu erwarten, dass die beiden im Wahlkampf tatsächlich Geschlossenheit demonstrieren werden - ohne dabei auf flügeladäquate Akzente zu verzichten.

SPD begrüßt Wahlergebnis

Parteichefin Roth landete abgeschlagen auf Rang vier mit 26,2 Prozent. Sie hatte bereits angekündigt, unabhängig vom Ausgang der Urwahl Mitte November auf dem Parteitag in Hannover erneut für das Amt der Parteivorsitzenden zu kandidieren. Ko-Parteichef Cem Özdemir hatte sich nicht für die Spitzenkandidatur beworben. Chancenlos waren die anderen Kandidaten, von denen Paul Held aus Bayreuth 2,4 Prozent erreichte.

Die SPD wertet das Ergebnis der Urwahl als Signal für gestiegene Chancen für Rot-Grün bei der Bundestagswahl im kommenden Jahr. „Das ist eine gute Wahl, Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin sind klasse Redner und gute Wahlkämpfer“, freute sich SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann am Samstag in Berlin. „Damit sind wir der Ablösung von Schwarz-Gelb einen großen Schritt näher gekommen. Das ist ein guter Tag für Rot-Grün“, sagte Oppermann in Berlin. Er freue sich schon auf die Rededuelle mit SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, Trittin und Kanzlerin Angela Merkel (CDU). „Frau Merkel wird diese nicht gewinnen können“, zeigte sich Oppermann überzeugt. (dapd/afp)

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