US-Präsident Barack Obama ist am Samstag zu Feierlichkeiten zum sogenannten D-Day in der französischen Normandie eingetroffen.
Obama und seine Frau Michelle wurden in der Stadt Caen von Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy und seiner Frau Carla empfangen. Zahlreiche Schaulustige jubelten den beiden Paaren zu. Sarkozy und Obama zogen sich nach dem Empfang in die Präfektur zum Gespräch zurück. Dort bekräftigte Obama, nicht zu akzeptieren, dass Iran die Weiterverbreitung von Atomwaffen vorantreibe.
In Iran-Frage einer Meinung
Sarkozy betonte ebenfalls, dass "die unvernünftigen Erklärungen des Präsidenten (Mahmud) Ahmadinedschad" nicht zu akzeptieren seien. "Wenn der Iran zivile Atomkraft will, hat er das Recht dazu - militärische Atomkraft, nein!", sagte Sarkozy. "Die USA und Frankreich gehen in dieser Frage Hand in Hand."
Israelis und Palästinenser wiederum forderte Obama zu stärkeren Friedensbemühungen auf. "Wir müssen aus der derzeitigen Sackgasse rauskommen", sagte er. Die beiden Konfliktparteien im Nahen Osten müssten begreifen, "dass ihr Schicksal miteinander verknüpft ist". Sarkozy und Obama warnten zudem vor einem Iran mit Atomwaffen. Es wäre "äußerst gefährlich", wenn die islamische Republik sich Atombomben zulegen würde, sagte der US-Präsident. Der Iran habe durchaus das Recht, Kernkraft zu zivilen Zwecken zu nutzen, sagte Sarkozy. Zu militärischen Zwecken stehe sie dem Land nicht zu.
Uneinigkeit zwischen Sarkozy und Obama herrschte in Bezug auf den EU-Beitritt der Türkei. "Ich denke, die Türkei ist ein enorm wichtiger Alliierter", sagte Obama. Die Türken seien an einer stärkeren Einbindung in Europa interessiert. "Ich würde das unterstützen", sagte Obama. Sarkozy hatte sich im EU-Wahlkampf immer wieder gegen ein EU-Beitritt der Türkei ausgesprochen. Frankreichs Präsident betonte am Samstag, dass auch er der Ansicht sei, die Türkei solle als Bindeglied zwischen Ost und West eine wichtige Rolle spielen. Nur über die Frage des "Wie" gebe es Differenzen. Sarkozy schlägt eine gemeinsame Wirtschafts- und Sicherheitsregion vor, die Europa, Russland und die Türkei umfassen solle.
Sieger unter sich
Zur Gedenkzeremonie auf dem Friedhof am Nachmittag waren auch Großbritanniens Premier Gordon Brown, Prinz Charles und Kanadas Premier Stephen Harper anwesend. Soldaten aus Großbritannien und Kanada waren ebenfalls an der Landungsoperation beteiligt. Sie gilt als eine der größten der Weltgeschichte und leitete die militärische Niederlage Deutschlands im Zweiten Weltkrieg ein. Bei dem Angriff kamen tausende Soldaten ums Leben. Allein auf dem US-Soldatenfriedhof von Colleville-sur-Mer sind mehr als 9000 Tote begraben.
Obama betonte bei seiner Rede auf dem Soldatenfriedhof die Bedeutung des Kampfes gegen das "bösartige" Nazi-Regime. Er sagte, die Veteranen erinnerten daran, dass die Zukunft nicht vom puren Zufall oder den Umständen gestaltet werde. "Unsere Geschichte war immer das Ergebnis von Entscheidungen und Handlungen, die von jedem einzelnen Mann und jeder einzelnen Frau getroffen wurden."
Große Ehre für Hanks und Spielberg
Auch US-Schauspieler Tom Hanks und Steven Spielberg waren eingeladen. Spielberg produzierte den Oscar-gekrönten Kinofim "Der Soldat James Ryan", der von der Landung der Alliierten in der Normandie handelt. Hanks spielt in dem Streifen die Hauptrolle.
Obama war am Freitagabend nach einem eintägigen Deutschland-Besuch in Paris angekommen und hatte sich sofort in die Residenz des US-Botschafters zurückgezogen. Er wird bei seinem Frankreich Besuch von seiner Frau Michelle und seinen beiden Töchtern begleitet.
Nach französischen Medienangaben will die Familie Obama am Samstagabend die Pariser Kathedrale Notre-Dame besuchen. Am Freitagabend hatte Michelle Obama mit ihren Kindern bereits den Eiffelturm besichtigt. Sie wollte bis Montag in Paris bleiben, während mit Barack Obamas Rückflug in die USA bereits am Sonntag gerechnet wurde.
Die Gedenkfeier in Colleville-sur-Mer war ursprünglich nur im kleinen Kreis von Frankreich und den USA geplant gewesen. Als der Besuch Obamas in der Normandie bekannt wurde, wollten jedoch plötzlich auch zahlreiche andere Staats- und Regierungschefs in die Normandie reisen. Frankreich entschied sich letztlich, auch Vertreter aus Großbritannien und Kanada einzuladen. Eine Gedenkfeier mit noch mehr Gästen wäre in der Kürze der Zeit nicht zu organisieren gewesen, hieß es aus dem Elysée. (afp/dpa)
Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl
Bleibt Barack Obama Präsident der USA? Oder macht Mitt Romney von den konkurrierenden Republikanern das Rennen?
US-Wahl-Spezial mit Analyse und Hintergrund
Interaktive Karte zu den Vorwahlen der Republikaner
Exklusive Reportagereise durch den Wahlkampf
Weblog der USA-Experten unserer Redaktion
Bombardiert Israel die iranischen Atomanlagen? Weitet sich der Konflikt zum Regionalkrieg aus? Werden gar die USA hineingezogen? Die Lage in Nahost spitzt sich dramatisch zu. Das Spezial.
Ihr Wunsch-Bundespräsident Wulff scheitert, sie muss Gauck als Nachfolger hinnehmen, ihre Mehrheit steht im Bundestag nicht mehr hinter ihr: Die Autorität von Bundeskanzlerin Merkel schwindet. Das Spezial.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.