Islamophobie mag Daisy Khan das nicht mehr nennen, was sich da in den USA zusammenbraut. „Das ist schlimmer“, sagte die Mitinitiatorin des geplanten islamischen Gemeindezentrums in der Nähe von Ground Zero, an dem sich die Gemüter vor allem außerhalb New Yorks derzeit so erhitzen. „Das ist purer Hass.“
Nun will der evangelikale Prediger Terry Jones vom Dove World Outreach Center in Gainesville, Florida am 11. September den Koran verbrennen. Das hat am Dienstag sogar den Oberkommandeur der US-Streitkräfte in Afghanistan, David Petraeus, auf den Plan gerufen. Er warnt: Die Aktion könne „die Sicherheit unserer Truppen und die gesamte Kampagne in Afghanistan gefährden“.
Die islam-feindlichen Äußerungen der vergangenen Wochen sind alarmierend: Ein Filmstudent steigt in New York in ein Taxi und sticht den Fahrer nieder, nur weil dieser Muslim ist. Der Rohbau einer Moschee in Tennessee geht in Flammen auf. In Kalifornien wird ein Plastikschwein während einer Andacht in eine Moschee geworfen. Im Staat New York ballern Jugendliche vor einer Moschee während eines Ramadan-Festes mit Gewehren in die Luft.
Noch nie wurde in den USA Islamfeindlichkeit derart offen geäußert. Nicht einmal unmittelbar nach dem Anschlag auf das World Trade Center 2001. Damals gab es zwar eine „erste Welle“ anti-islamischer Äußerungen. Evangelikale Anführer wie Jerry Falwell und Pat Robertson stellten infrage, ob der Islam überhaupt eine Religion sei, und nannten den Propheten Mohammed einen Banditen. Doch es war George W. Bush selbst, der aktiv dieser Stimmung entgegenwirkte, indem er eine Moschee in Washington besuchte und den Islam als „friedliebende Religion“ bezeichnete.
Das funktionierte, weil die Konservativen auf Bush hörten. Alles, was US-Präsident Barack Obama heute zugunsten der Muslime vorbrächte, würde hingegen als Beweis dafür ausgelegt, dass er selbst ein verkappter Islamist ist. 24 Prozent der Amerikaner glauben derzeit, dass Obama nur vorgibt Christ zu sein, in Wirklichkeit aber zu Allah betet. Auch aus Angst, dieser Verschwörungstheorie neue Nahrung zu geben, verstrickte sich Obama in widersprüchliche Aussagen zu dem Moschee-Projekt in New York.
Durch die konservative Tea-Party ermutigt, trauen sich dagegen immer mehr US-Amerikaner den Islam zu verdammen. „Die Islamophobie“, sagt der Schriftsteller Arsalan Iftikhar, „ist die akzeptierte Form des Rassismus in den USA geworden. Jeder kann heute auf Muslime eindreschen, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden.“
Der Oberbefehlshaber der Nato-Truppen in Afghanistan David Petraeus hat sich besorgt über Pläne einer US-Kirche gezeigt, zum Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 den Koran zu verbrennen. Die Verbrennung des Heiligen Buchs der Muslime könne das Leben von Soldaten am Hindukusch gefährden, sagte der US-General dem „Wall Street Journal“ (Dienstagsausgabe). Die Aktion von einer christlichen Fundamentalisten-Gruppe aus Florida spiele der Propaganda der Taliban in die Hände und könne „schwerwiegende Probleme“ hervorrufen - und das nicht nur in Afghanistan.
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