Washington. Den entscheidenden Satz sprach in Washington ein anonymer Regierungsbeamter: "Es gibt keinen Grund zu glauben, dass das Regime die Lage nicht unter Kontrolle hat." So enttäuscht die Obama-Regierung über das amtliche Ergebnis der iranischen Präsidentschaftswahl sein mag, so sehr Washington Zweifel am Erdrutschsieg von Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad teilt und so groß die Sympathien für die Demonstranten auf Teherans Straßen sind: Die USA stellen sich darauf ein, es auch künftig mit einem iranischen Präsidenten Ahmadinedschad zu tun zu haben.
Das Weiße Haus lobte in einer knappen Erklärung die lebhaften Debatten und den Enthusiasmus, den die Wahl "besonders unter jungen Iranern ausgelöst" habe. Zugleich sei man über Berichte über Unregelmäßigkeiten besorgt. Unternehmen aber, darüber herrscht in der US-Kapitale weitgehend Einigkeit, kann Washington wenig - außer die eigene Enttäuschung möglichst kunstvoll zu verbergen.
Als Anfang Juni kurz nach Barack Obamas umjubelter Kairoer Rede bei der Parlamentswahl im Libanon überraschend prowestliche Kräfte triumphierten, war in Washington offen über einen möglichen "Obama-Effekt" in der Region spekuliert worden. Nun hat sich die vorige Woche auch vom US-Präsidenten selbst geschürte Hoffnung auf einen Sieg der Reformer im Iran zerschlagen.
Für die USA sei der iranische Wahlausgang "das schlimmste Ergebnis", sagte Ex-Spitzendiplomat Thomas Pickering der New York Times. Denn Obama hat es beim gewünschten Dialog mit Teheran nicht nur weiter mit Hardliner Ahmadinedschad zu tun. Zugeständnisse gegenüber dem Iran würden nach dessen umstrittenem Sieg in den USA nun politisch "sehr unappetitlich". Tatsächlich sehen sich durch den Wahlausgang konservative Außenpolitiker in den USA bestätigt, die Obamas Ölzweig-Politik für naiv halten.
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
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