Politik
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13. Januar 2012

US-Soldat im Irak-Krieg: "Die beste Zeit meines Lebens"

 Von Sebastian Moll
Chris Kyle, American Sniper, HarperLuxe, 528 S., 16,95 Euro (gebundene Ausgabe), 18,95 Euro (Taschenbuch).  

Töten ohne Reue: Chris Kyle ist Scharfschütze der US-Armee und tötete im Irak-Krieg so viele Menschen, wie kein anderer US-Soldat in diesem oder in irgendeinem anderen Krieg. Über seine Zeit im Irak hat er jetzt ein Buch veröffentlich.

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Beim ersten Mal hat Chris Kyle noch gezögert. Es war das Jahr 2003, die amerikanischen Truppen marschierten in Richtung Bagdad und Kyle lag mit seinem Spezialgewehr auf einem Häuserdach in Nasiriya in Stellung. Die US-Marineinfanteristen zogen gerade in den Ort ein, als eine Frau mit ihrem Kind an der Hand auf die Straße trat. Als sie in ihr Gewand griff und einen gelben Gegenstand hervorholte, bekam Kyle den Schießbefehl.

Kyle fragte noch einmal, ob er wirklich schießen soll. Dann holte er tief Luft und drückte ab. Die Frau fiel, die Handgranate, die sie bei sich trug, explodierte. Amerikanische Soldaten wurden nicht verletzt. Und Chris Kyle war stolz: „Sie war vom Bösen geblendet“, schreibt er in seinen Memoiren „American Sniper“, die zum Jahresbeginn in den USA erschienen sind. „Ich habe mich großartig gefühlt.“

Töten, bis es niemanden mehr zum Töten gibt

So großartig hat sich Kyle gefühlt, dass er nicht genug davon bekommen konnte. „Man tut es wieder. Und wieder. Und wieder“, schreibt er. „So lange, bis es niemanden mehr zum Töten gibt.“ 160 offiziell bestätigte „Kills“ hatte Kyle als Scharfschütze im Irak – mehr als jeder andere US-Soldat in diesem oder in irgendeinem anderen Krieg. Inoffiziell glaubt man, er habe mehr als 250 Menschen umgebracht. Und er hat deshalb nicht die geringsten Gewissenskonflikte: „Ich habe es geliebt“, schreibt er. „Es hat Spaß gemacht. Ich habe im Irak die beste Zeit meines Lebens gehabt.“
In der Schlacht von Ramadi, einem der blutigsten Gemetzel des Konflikts, steigerte sich Kyle zur Höchstform. Alleine in den ersten zwölf Stunden der Schlacht erledigte er zwei Dutzend Irakis. „Es war eine zielreiche Umgebung“, erinnert er sich. Einer nach dem anderen seien sie auf die Straße gestürmt, genau ins Fadenkreuz seines Präzisionsgewehrs. „Ich habe abgedrückt. Sie sind umgefallen. Und so ging das immer weiter“, schreibt er in karger Prosa.

Unter den Aufständischen trug ihm die Schlacht den Kriegsnamen „Teufel von Ramadi“ ein. Die aufständischen Iraker setzten 80.000 Dollar auf seinen Kopf aus. Auf beides war er stolz. „Es zeigte mir, dass ich meinen Job gut erledige.“ Was ihn störte, war, dass das Kopfgeld für den Scharfschützen der Schwesterkompanie noch höher lag. Das Morden war unter den US-amerikanischen Spezialtruppen zum Wettkampfsport geworden. Am Ende gewann Kyle. Er wurde mit Orden überhäuft, ein amerikanischer Held.

Er selbst beschreibt sein Wirken mit soldatischer Bescheidenheit. Es sei ihm nicht um Ruhm und Ehre, sondern allein darum gegangen, „die Bösen umzulegen, bevor sie unsere Jungs erwischen“. Daran, wer die Guten waren und wer die Bösen, hatte er nie Zweifel. Die Aufständischen waren für ihn fanatisierte „Unmenschen“.
2009 wurde Kyle vorzeitig aus dem Irak nach Hause geholt. Der Grund: Er hatte Panikattacken, Herzrasen, Schweißausbrüche. „Ich muss nicht töten“, sagte er unlängst in einem Interview. Aber: „Wenn man mir meine Hirschjagd wegnimmt, kann ich für nichts garantieren.“

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