Jerusalem. Die USA stehen an der Seite Israels, erst recht in Zeiten eines nuklearen Gefahrenpotenzials seitens des Mullah-Regimes im Iran. Die Versicherung kommt aus berufenem Munde.
Joe Biden, der am Montagnachmittag in Jerusalem zu einem dreitägigen Arbeitsbesuch eintraf, ist der zweithöchste Mann im Weißen Haus und dazu seit 30 Jahren befreundet mit Benjamin Netanjahu, dem israelischen Premier.
Keine schlechte Voraussetzung also, um die Nerven der in der Iran-Frage höchst besorgten Israelis zu beruhigen. Er könne ihnen versprechen, ließ der US-Vizepräsident Biden bereits vor der Landung per Interview in der Zeitung Yedioth Achronoth ausrichten, "dass wir als Alliierte uns jeder Herausforderung auf dem Sicherheitsgebiet stellen werden". Eine Atommacht Iran "bedroht nicht nur Israel, sondern auch die Vereinigten Staaten".
So etwas hört man in Jerusalem gerne, auch wenn man sich der Meinungsunterschiede wohl bewusst ist. Washington setzt auf Sanktionen, um Teheran vom Atomkurs abzubringen. In Israels Regierung halten das viele für verlorene Zeit und einen Militärschlag für die effizientere Methode. Netanjahu hält sich diese Option offen. Er pokert dabei allerdings hoch. Keiner weiß, wie ernst es dem israelischen Premier ist oder ob er bloß Druck machen will nach dem Motto: Tut was, sonst halte ich mich nicht zurück.
Die alles entscheidende Karte, schreibt Haaretz-Kommentator Aluf Benn, gibt Premier Netanjahu ohnehin nicht preis: Sie betrifft die Frage, ob die israelische Luftwaffe überhaupt in der Lage wäre, mit gezielten Bombenangriffen die iranischen Atomstätten zu zerstören.
Der israelische Iran-Experte Schmuel Bar vom Interdisziplinären Zentrum in Herzliya ist überzeugt, dass "unsere Geheimdienste schon wissen, wo genau die Iraner ihre Anlagen versteckt haben". Den Einwand, dass Israel sich im Gegenzug mutmaßlich iranische Shihab-Raketen einfangen würde und dazu die Geschosse von Hamas und Hisbollah, wischt Bar ab. "Der Preis eines iranischen Vergeltungsschlages ist geringer, als wenn wir Teheran erlauben, Nuklearmacht zu werden."
Es sind solche Töne, die Washington alarmiert haben. Die Angst vor einem Regionalkrieg in Nahost treibt die noch im Irak verstrickte US-Administration mehr um als der Niedergang des Friedensprozesses. Von den Annäherungsgesprächen zwischen Israelis und Palästinensern verspricht man sich jedenfalls wenig. Sie dienen mehr dazu, den Rücken frei zu haben, um sich auf die iranische Gefahr zu konzentrieren.
US-Vizepräsident Biden will den Israelis den engen Schulterschluss garantieren. Im Verteidigungsapparat wird ein intensiver Austausch zwischen Israel und den Vereinigten Staaten bereits gepflegt, mag ansonsten das Verhältnis zwischen Barack Obama und Netanjahu nicht gerade störungsfrei sein.
Ohnehin kommt Washington am besten mit Verteidigungsminister Ehud Barak aus. Der hat am Montag gesagt, dass der Iran noch keine existenzielle Bedrohung für Israel sei. Israel arbeite zudem daran, dass es auch keine werde.
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
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