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USA: 35 Jahre unschuldig in Haft

Er sollte 1974 einen Jungen vergewaltigt haben. Das Opfer wollte ihn wiedererkannt haben. Dafür wurde er als 19-Jähriger verurteilt. Jetzt entlastete ein DNA-Test James Bain. Von Dietmar Ostermann

Am Ende ging alles ganz schnell: Der Häftling James Bain habe nichts mit dem Fall zu tun, räumte der Staatsanwalt ein. Ein DNA-Test habe dies ergeben. Der Richter nickte kurz: "Sie sind ein freier Mann. Gratulation." Kurz darauf blinzelte James Bain vor dem Gerichtsgebäude in Floridas gleißende Wintersonne und fühlte sich wie ein Astronaut nach der Mondlandung: "Wir sind angekommen." In der Freiheit.

35 Jahre hatte Bain unschuldig im Gefängnis gesessen, verurteilt zu lebenslanger Haft für ein Verbrechen, das er nicht beging. Das ist in den USA trauriger Rekord - keiner der 248 Verurteilten, die später dank Erbgut-Proben ihre Unschuld beweisen konnten, musste so lange hinter Gittern schmachten. Als Bain 1974 verurteilt wurde, war er 19 Jahre alt. Heute ist er 54. Aus dem Teenager ist ein alter Mann geworden. Ein halbes Leben hat er für einen Irrtum gebüßt, über den er sagt: "Ich kann nicht zornig sein."

Ein neunjähriger Junge, der aus seinem Haus in Florida entführt und dann vergewaltigt worden war, hatte ihn 1974 fälschlich als Täter identifiziert. All die Jahre im Gefängnis sei Gott in seinem Kopf gewesen, sagt Bain: "Ich habe gewusst, dass er mich eines Tages freibekommt."

Nicht Gott aber verdankt Bain seine Freiheit, sondern dem "Innocence Project", einer Organisation, die zweifelhaften Schuldsprüchen nachgeht. Sechs Anträge auf Wiederaufnahme des Verfahrens wurden abgelehnt. 2001 hatte Bain einen DNA-Test beantragt. Doch Floridas Justiz stellte sich stur. Erst als das "Innocence Project" sich einschaltete, kam Bewegung in die Sache.

Millionen-Entschädigung

Was Bain mit dem Rest seines Lebens macht, weiß er noch nicht. Reisen will er und viel Zeit mit seiner Familie verbringen. Laut Gesetz steht ihm eine Entschädigung zu: 1,75 Millionen Dollar. 50 000 Dollar für jedes verlorene Jahr.

Barry Scheck, Direktor des "Innocence Project", fordert, nun "endlich ernsthaft Reformen" anzugehen. Die Organisation hat die von ihr betreuten Fälle ausgewertet: Bei drei von vier Justizirrtümern spielte die falsche Identifikation des Täters durch Zeugen oder Opfer eine Rolle. Ein Viertel legte unter dem Druck der Verhöre falsche Geständnisse ab.

In 16 Prozent der Fälle trugen umstrittene Aussagen von Gefängnis-Spitzeln zur Verurteilung bei, die oft Strafverschonung erhalten. Und: Die Mehrheit der unschuldig Verurteilten ist schwarz, wie James Bain. Seite 11

Autor:  Dietmar Ostermann
Datum:  18 | 12 | 2009
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