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11. September 2012

USA Libyen: US-Botschafter stirbt bei Angriff

 Von Julia Gerlach
Einer der Angreifer posiert in Bengasi vor dem brennenden Auto eines US-Diplomaten.Foto: dpa

In Libyen und Ägypten greifen radikale Gläubige US-Vertretungen an. In der libyschen Stadt Bengasi kommen der US-Botschafter und drei Diplomaten ums Leben. In beiden Ländern protestieren Islamisten gegen einen Film, der angeblich den Propheten Mohammed verunglimpft.

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In Libyen und Ägypten greifen radikale Gläubige US-Vertretungen an. In der libyschen Stadt Bengasi kommen der US-Botschafter und drei Diplomaten ums Leben. In beiden Ländern protestieren Islamisten gegen einen Film, der angeblich den Propheten Mohammed verunglimpft.

Eine neue Serie anti-amerikanischer Proteste erschüttert die arabische Welt. In Libyen wurden bei einem Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi am Dienstagabend der US-Botschafter, Christopher Stevens, sowie drei weitere amerikanische Diplomaten getötet. Bei der Attacke sollen auch mehrere libysche Sicherheitskräfte getötet worden sein.

In Kairo wurde die US-Botschaft ebenfalls angegriffen. Die US-Fahne wurde heruntergerissen, verbrannt und durch eine schwarze Fahne mit dem weißen Schriftzug „Es gibt keinen Gott außer Gott“ ersetzt. Diese Fahne gilt als Erkennungszeichen der Terrororganisation Al-Kaida. Auslöser für diese Proteste ist ein Film, der den Propheten Mohammed als verwirrten Trottel darstellt. Er wurde von einem US-Filmemacher gedreht und ins Internet gestellt. Radikal-christliche Exil-Ägypter lobten den Film in TV-Sendern.

Die Proteste im libyschen Bengasi begannen am späten Nachmittag. Augenzeugen berichten, dass dort die Mehrheit der Demonstranten radikale Salafisten waren. Unter ihnen sollen sich auch Anhänger der militanten Organisation Ansar al Islam befunden haben. Das Konsulat sei mit schweren Waffen angegriffen worden. Der Botschafter hatte sich zu einem Kurzbesuch in Bengasi aufgehalten. Er versuchte das brennende Gebäude zu verlassen. Nach Aussage eines libyschen Arztes soll der Botschafter am Rauch erstickt sein. Der 52-Jährige sei bei seiner Ankunft im Krankenhaus praktisch tot gewesen.

Der Angriff passierte in einer Zeit großer Spannungen: In diesen Tagen wird in Tripolis eine neue Regierung gebildet und es hat bereits einige Angriffe radikaler Gruppierungen gegeben.

In Kairo forderten mehrere tausend Demonstranten, dass die Verbreitung des Mohammed-Filmes verhindert wird und sich die US-Regierung entschuldige. Auch hier waren viele Salafisten auf der Straße sowie die sogenannten Ultras, Fußballfans, die bei der Revolution eine wichtige Rolle gespielt haben. Die Demonstranten rissen die US-Fahne herab und verbrannten sie.

Der Angriff ereignete sich nur zwei Tage nach dem Besuch einer großen Delegation von US-Geschäftsleuten bei Ägyptens Präsident Mohammed Mursi. Der Präsident hatte dabei von einem Neuanfang in den amerikanisch-ägyptischen Beziehungen gesprochen. Das schürte den Unmut der Unterstützer des Präsidenten, die zunehmend Mursis Politik kritisieren. Aber auch die Empörung über den Mohammed-Film spielte eine Rolle. Und in Ägypten richtete sich der Zorn in diesem Zusammenhang auch gegen die Christen, weil der Film angeblich von Exil-Ägyptern finanziert worden sei. Mehrere koptische Organisationen jedoch verurteilten den Film und kritisierten die Beleidigung religiöser Gefühle.

Die Muslimbrüder forderten für Freitag landesweite Demonstrationen, wie der Generalsekretär der Bewegung, Mahmud Hussein, am Mittwoch mitteilte. Ale gesellschaftlichen Gruppen sollten sich daran beteiligen.
In Bengasi wie in Kairo bildeten militante oder ehemals militante Islamisten den harten Kern bei den jüngsten Demonstranten, viele trugen die schwarze Al-Kaida-Fahne. Das deutet darauf hin, dass es sich bei den Übergriffen um geplante Attacken auf die USA handelte – die wohl nicht zufällig am Jahrestag der Terroranschläge in New York und Washington am 9. September 2001 stattfanden.

Obama verurteilt Attacken

Libyen bat um Verzeihung für die Ermordung der US-Bürger. US-Präsident Barack Obama sprach am Mittwoch in Washington von einem „verabscheuungswürdigen Angriff“ und kündigte eine Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen an allen diplomatischen Vertretungen der USA weltweit an. Die USA würden mit der libyschen Regierung zusammenarbeiten, um die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Das Pentagon schickte am Mittwoch Marineinfanteristen nach Bengasi.

Die Proteste griffen am Mittwoch auch auf Tunesien über, wo wütende Moslems vor die US-Botschaft zogen. In Afghanistan riefen die radikal-islamischen Taliban ihre Kämpfer auf, sich für den Film an US-Soldaten zu rächen. (mit dpa)

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