Washington. "Vermissen Sie mich schon?", fragt ein lächelnder George W. Bush von der Plakatwand. Das Schild steht an einer Hauptstraße im Städtchen Wyoming im Bundesstaat Minnesota. Örtliche Unternehmer, offenbar von Wehmut nach dem 43. Präsidenten der USA gepackt, sollen es im Dezember aufgestellt haben.
Es ist nicht der einzige Versuch, jenen Mann zu neuen Ehren kommen zu lassen, den viele Amerikaner für einen der schlechtesten Präsidenten der Geschichte hielten, als er im Januar 2009 aus dem Weißen Haus auszog. Bushs früherer Chefstratege Karl Rove veröffentlicht gerade seine Memoiren, "Courage and Consequence", Mut und Konsequenz, eine Hommage an das eigene Genie und an den ehemaligen Boss.
Das Magazin Newsweek setzte Bush jüngst auf den Titel und erklärte den Irak-Krieg für gewonnen. Anderen Kommentatoren ist nicht entgangen, dass Nachfolger Barack Obama etwa bei Gefangenenpolitik und Terrorbekämpfung Rückzieher machen musste und sich Bush-Positionen annähert. Das Lager in Guantánamo gibt es noch immer, die Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001 werden wohl doch vor Militärtribunalen statt vor ordentlichen Gerichten angeklagt.
Hat die Nation Sehnsucht nach dem ruppigen Cowboy im Weißen Haus? Von Bush weiß man, dass er die letzten Jahre als zunehmend isolierter Präsident in der Überzeugung verbrachte, die Geschichte werde ihm recht geben. Glaubt man Umfragen, muss er darauf noch ein Weilchen warten.
Sonst betrachten Amerikaner Ex-Präsidenten mit wachsendem zeitlichen Abstand meist in milderem Licht, Bushs Beliebtheitskurve zeigt eher nach unten: In einer Erhebung des konservativen TV-Senders Fox News hatten vor Jahresfrist noch 49 Prozent der US-Bürger ein positives Bush-Bild, heute sind es nur noch 38 Prozent. Die Ablehnung stieg von 46 auf 55 Prozent. In einer Umfrage der New York Times machten im Februar 31 Prozent Bush für die schlechte Wirtschaftslage verantwortlich, nur sieben Prozent seinen Nachfolger Obama.
Selbst viele Republikaner wollen nichts mehr mit ihrem Präsidenten zu tun haben. Für sie war Bush nie ein echter Konservativer, weil er die Schulden in die Höhe trieb und am Ende Milliarden zur Rettung von Banken und Autokonzernen ausgab. Einzig die harte Anti-Terror-Politik findet im rechten Lager uneingeschränktes Lob. Ein paar Fans und Mitstreiter mögen ihn nostalgisch verklären - die meisten US-Bürger vermissen den Texaner nicht.
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