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15. März 2016

Vatileaks: Priester war nicht bei "klarem Verstand"

 Von 
PR-Beraterin Francesca Chaouqui brachte den Monsignor Balda angeblich um den Verstand.  Foto: AFP

Der Priester Lucio Balda gibt im Vatileaks-Prozess zu, vertrauliche Dokumente an die Presse weitergereicht zu haben. Allerdings sei er wegen einer Affäre "nicht bei klarem Verstand" gewesen.

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Rom –  

Die Geschichte des Monsignor Lucio Angel Vallejo Balda hat allerlei pikante Zutaten: Sex, Erpressung, Agenten und Verrat. Und noch dazu spielt sie im Vatikan. Ihr Wahrheitsgehalt ist aber kaum zu überprüfen. Balda ist einer von vier Angeklagten im zweiten Vatileaks-Prozess, bei dem es um die illegale Herausgabe vertraulicher Vatikan-Dokumente geht. Sie belegten Misswirtschaft im Kirchenstaat und den verschwenderischen Lebensstil einiger Würdenträger und waren in die Hände von zwei ebenfalls angeklagten italienischen Journalisten gelangt.

Der Prozess läuft seit Herbst, jetzt hat Balda ein Geständnis abgelegt. „Ja, ich habe Dokumente an die Journalisten weitergegeben“, sagte er am Montagabend vor dem Vatikan-Gericht. Auch eine Liste mit 87 Passwörtern für die Unterlagen der päpstlichen Wirtschaftsprüfungs-Kommission Cosea, deren Sekretär er war, habe er überreicht, gestand der einst ranghohe Vatikan-Mitarbeiter.

Zu seiner Verteidigung fuhr der 54-jährige Spanier aber starke Geschütze auf. Sie richteten sich gegen seine mitangeklagte frühere Kollegin, die PR-Beraterin Francesca Chaouqui. Sie ist ein ehemaliges Mitglied der vom Papst eingesetzten Untersuchungskommission und eine schillernde Gestalt. Die rund zwanzig Jahre jüngere, verheiratete PR-Frau habe ihn verführt, hatte Balda schon bei früheren Vernehmungen ausgesagt. Sie sei bei einer Dienstreise nach Florenz einfach in sein Hotelzimmer gekommen. Später habe sie ihn dann emotional erpresst. So sei er nicht völlig bei klarem Verstand gewesen, als er die Dokumente weiterreichte, entschuldigte sich Balda. Denn Chaouqui habe gedroht, andernfalls die romantische Affäre öffentlich zu machen. Auch sei er überzeugt gewesen, dass sie die „Nummer zwei des italienischen Geheimdienstes“ sei, ihr Mann ebenfalls Agent, und dass hinter all dem illegitime Interessen stünden. Er habe sogar um sein Leben gefürchtet.

Chaouqui, die inzwischen im sechsten Monat schwanger ist – von ihrem Mann, wie es heißt – habe erregt reagiert und sich an ihren Anwalt gewandt, schilderten Prozessbeobachter. Eine Affäre hatte sie schon vorher abgestritten: „Wenn ich meinen Mann betrügen wollte, dann nicht mit einem alten Priester, der nicht auf Frauen steht.“

So oder so – für Balda, der als vatikanischer Staatsbürger bereits seit Monaten im Kirchenstaat im Hausarrest sitzt, rückt mit dem Geständnis eine Verurteilung näher. Auf die Herausgabe vertraulicher Dokumente stehen im Vatikan Haftstrafen zwischen vier und acht Jahren.

Ob die anderen Angeklagten belangt werden können, ist fraglich. Italienische Parlamentarier und Medienverbände äußern massive Zweifel an der Rechtsstaatlichkeit des Prozesses. Sie kritisieren vor allem die strafrechtliche Verfolgung der beiden Journalisten Emiliano Fittipaldi und Gianluigi Nuzzi. Die hätten Probleme von öffentlichem Interesse enthüllt und nur ihre Arbeit getan – die in Italien durch die Pressefreiheit geschützt sei.

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