Dem Energiekonzern Vattenfall steht neuer Ärger ins Haus. Die schwedischen Grünen werden das Unternehmen, das auch in Deutschland etliche Atom- und Kohlekraftwerke betreibt, heute für den Preis "Schlimmster EU-Lobbyist 2008" nominieren. Der Preis wird von einem Bündnis europäischer Nichtregierungs-Organisationen verliehen. Die Bundesgeschäftsführerin der Grünen, Steffi Lemke, begrüßte das Vorgehen der Schwesterpartei ausdrücklich: Vattenfalls "Lügenkampagne" sei "mehr als preiswürdig", sagte Lemke am Sonntag der Frankfurter Rundschau.
Den Zorn der Grünen hat sich Vattenfall mit seiner Werbung für "saubere Kohle" zugezogen. Ein Verfahren namens CCS (Carbon Capture and Sequestration) soll in Kohlekraftwerken dafür sorgen, dass bei der Verbrennung entstehendes Kohlendioxid abgefangen und unterirdisch gelagert wird. Vattenfall behauptet, damit ließen sich Europas Klimaschutzziele erreichen. Der Konzern will daher auch in Brandenburg neue Kohlekraftwerke bauen.
Nicht nur die Grünen bezweifeln, ob die CCS-Technik jemals praxistauglich sein kann. Die schwedische Partei sieht in der CO2-Einlagerung, die frühestens 2020 möglich sein soll, "einen begrenzten Effekt, etliche Risiken und unkalkulierbare Kosten". Vattenfall, sagte Lemke der FR, "kann überhaupt noch nicht wissen, ob es sein Versprechen je wird halten können". Gleichwohl habe der Konzern etliche europäische Politiker mit den Plänen geködert. Auch Kanzlerin Angela Merkel ist nach Ansicht der schwedischen Grünen zu eng mit Vattenfall verbandelt: Konzernchef Lars Josefsson zählt zu den Klimaberatern der deutschen Regierung.
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