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06. August 2013

Veggie Day: Der Speiseplan im Wahlkampf

 Von Thorsten Knus
Renate Künast macht`s vor: Fleischlos kochen - und dann noch bio.  Foto: dpa

Einmal pro Woche sollen Kantinen fleischlose Kost anbieten. Für diesen Vorschlag ernten die Grünen massiven Widerspruch. Die Kritiker wittern „Bevormundung"

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Der Pfälzer Rainer Brüderle ist ein bekennender Freund von Wein, Weib und Gesang. Auch rustikalem Essen ist der füllige FDP-Fraktionschef nicht abgeneigt. Der Wahlkampf geht in die heiße Phase, und da schmeckt es Brüderle natürlich besonders gut, dass der politische Erzfeind meint, die Deutschen äßen zu viel Fleisch.

Also wettert Brüderle: Anders als die Grünen sei er der Ansicht, dass die Bürger ihren Speiseplan selbst bestimmen sollten. „Menschen ständig Vorschriften zu machen, ist nicht mein Verständnis von Freiheit und Liberalität.“ Und weiter: „Was kommt als nächstes? Jute-Day, Bike-Day, Green-Shirt-Day?“

Mit seiner Einlassung stichelt der Liberale gegen einen Vorstoß, der die Grünen gerade unter beachtlichen Rechtfertigungsdruck bringt: Die Öko-Partei hatte im April ihr Wahlprogramm beschlossen – und plötzlich entdeckt der Boulevard, dass dort an einer Stelle der Begriff „Veggie Day“ (vegetarischer Tag) auftaucht. Einmal in der Woche sollten öffentliche Kantinen nur fleischlose Gericht anbieten, so die Forderung. „Grüne wollen uns das Fleisch verbieten“, titelte am Montag die „Bild“-Zeitung.

Auch Ernährungsministerin Ilse Aigner (CSU) erkannte umgehend, dass das Thema Aufreger-Potenzial hat: „Wir halten generell wenig von Bevormundungen“, sagte ihr Sprecher. „Am Ende brauchen wir eine ausgewogene Ernährung. Da gehört Fleisch dazu.“ Auch die SPD stimmte in die Empörung ein – obwohl sie nach der Wahl im Herbst mit den Grünen regieren möchte. Deren ehemalige Agrarministerin Renate Künast habe nicht zu entscheiden, was bei ihm auf den Teller komme, sagte Hessens SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel. „Das entscheide ich immer noch selber.“

Auch die Grünen essen Fleisch

Der Veggie Day ist ein Thema, dass die Grünen seit geraumer Zeit umtreibt. In der Bundestagsfraktion gibt es donnerstags nur vegetarische Verpflegung. Im Ältestenrat des Bundestags arbeiten die Grünen daran, dass auch die Parlaments-Kantinen einmal in der Woche nur vegetarisch kochen sollen. Die Motivation dahinter lässt sich im Wahlprogramm nachlesen. Im Kapitel über Massentierhaltung heißt es, jeder Deutsche esse pro Jahr und Kopf rund 60 Kilogramm Fleisch. Die industrielle Fleischproduktion werde durch millionenfaches Tierleid und den ungehemmten Einsatz von Antibiotika erkauft. Für die Futtermittelherstellung würden Regenwälder gerodet, außerdem berge der Fleischkonsum gesundheitliche Risiken. „Deshalb fordern wir mehr Verbraucheraufklärung zu den gesundheitlichen, sozialen und ökologischen Folgen des Fleischkonsums. Öffentliche Kantinen sollen Vorreiterfunktionen übernehmen. Angebote von vegetarischen und vegangen Gerichten und ein Veggie Day sollen zum Standard werden. Wir wollen ein Label für vegetarische und vegane Produkte.“

So ist der Veggie Day eine moderne Variante der Verzichtsethik, die die weltweite Umweltbewegung in den 1980er und 1990er Jahren auszeichnete. In der Frühphase ihres Bestehens glaubten auch die Grünen, dass sich die Öko-Katastrophe nur noch durch radikale Umkehr und Verzicht abwenden ließe.


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Heute geht es darum, Genuss und gutes Gewissen zu verbinden. Fraktionschefin Künast sagt: „Ein Veggie Day ist ein wunderbarer Tag zum Ausprobieren, wie wir uns einmal ohne Fleisch und Wurst ernähren. Vegetarisch kochen ist nämlich mehr, als nur das Fleisch weglassen.“ Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt betonte am Montag, dass all das freiwillig sein sollte. „Es geht nicht darum, Fleischkonsum zu verbieten.“

Die grünen Frontleute essen übrigens selbst gern Fleisch, wenn auch in begrenztem Umfang und bevorzugt in Bio-Qualität: Zu Weihnachten schwärmte Göring-Eckardt im Interview dieser Zeitung von Gänsen aus ihrer thüringischen Heimat. Die Fraktionschefs ,Renate Künast und Jürgen Trittin, sind gern bei der Wirtin Sarah Wiener zu Gast, die regelmäßig Schnitzel auf den Tisch bringt.

Der vegetarische Tag als öffentliche Aktion wird auch anderswo praktiziert, etwa in Bremen oder im belgischen Gent. Dort machen zahlreiche Restaurants freiwillig mit, die Stadtverwaltungen unterstützen das Projekt. Auch in Hannover versucht ein breites Bündnis, einen Veggie Day zu etablieren. Zu den Förderern gehört: Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz von Ilse Aigner (CSU).

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