Der venezolanische Präsident Hugo Chávez hat seine Landsleute aufgerufen, sich auf einen Krieg vorzubereiten. Er beschuldigte das Nachbarland Kolumbien, sich als Brückenkopf für eine US-Invasion Venezuelas bereitzuhalten.
Die "revolutionären Studenten, die Arbeiter, die Frauen" sollten sich den Milizen anschließen, um "dieses geheiligte Vaterland zu verteidigen", sagte Chávez in seinem wöchentlichen Fernsehprogramm. Den amerikanischen Präsidenten Barack Obama warnte er: "Irren Sie sich bloß nicht, ordnen Sie bloß keine offene Aggression gegen Venezuela an, bei der Kolumbien benutzt würde!" Man dürfe sich keinen Illusionen über Obama hingeben, sagte Chávez: "Das Imperium besteht fort, es lebt und es ist bedrohlicher denn je".
Die düsteren Worte sind ein neuer Höhepunkt in den seit Monaten wachsenden Spannungen zwischen Venezuela und Kolumbien. Vergangene Woche hatte die Regierung Chávez angekündigt, sie werde entlang der 2200 Kilometer langen Grenze bis zu 20.000 "Bewaffnete " stationieren. Zuvor waren zwei Soldaten der venezolanischen Nationalgarde im Grenzgebiet ermordet aufgefunden worden - angeblich Opfer von paramilitärischen Truppen aus Kolumbien. Wenige Tage zuvor waren neun Kolumbianer, ein Peruaner und ein Venezolaner ebenfalls im Grenzgebiet entführt und massakriert worden.
Seit die rechtsgerichtete kolumbianische Regierung im Juli bekannt gab, sie werde den US-Truppen die Benutzung von sieben Militärstützpunkten gestatten, sind die ohnehin kühlen bilateralen Beziehungen ins Frostige umgeschlagen. Kolumbiens Präsident Álvaro Uribe wollte den USA Ersatz anbieten für die Luftwaffenbasis Manta in Ecuador. Die linksgerichtete Regierung in Ecuador hatte den Vertrag für Manta nicht verlängert.
Austragungsort für bilaterale Spannungen
Damit sind die Amerikaner Chávez freilich deutlich näher gerückt - von der fernen Pazifikküste ans Grenzgebiet zu Venezuela. Dass sich damit tatsächlich eine Invasion andeutet, wird auch in Venezuela meist als unwahrscheinlich angesehen; Chávez" Gegner halten das Kriegsgerede eher für ein Manöver, um von den innenpolitischen Schwierigkeiten wie Versorgungsengpässen und Stromrationierungen abzulenken. Andererseits fürchtet Chávez stets - und das ist viel realistischer als eine US-Invasion - einen Mordanschlag; vor diesem Hintergrund schwört er seinen Anhang auf externe Bedrohung ein.
Das Grenzgebiet eignet sich vorzüglich als Austragungsort der bilateralen Spannungen. Rechte Paramilitärs und linke Guerrilla-Gruppen aus Kolumbien sind im unzugänglichen Teil des Grenzgebietes ebenso präsent wie eine linke, pro-chavistische Miliz, ferner gewöhnliche Kriminelle und jede Menge Schmuggler.
Die unübersichtliche Lage wird dadurch noch komplizierter, dass die an Kolumbien grenzenden Bundesstaaten Hochburgen der Opposition gegen Chávez sind. Die Anschuldigung, Kolumbien schicke die Paras, lässt sich immer auch gegen die internen Chávez-Gegner wenden. Umgekehrt können die behaupten, die venezolanische Armee tue nichts gegen die kolumbianische Guerrilla und die Pro-Chávez-Miliz, um die innere Opposition zu schwächen.
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
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