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Venezuela: Ein Neuer auf der Liste der umstrittenen Freunde

Präsident Hugo Chávez lädt den Sudanesen al-Baschir ein - ungeachtet des internationalen Haftbefehls.

Hugo Chávez, Venezuelas Präsident, greift die USA gern rhetorisch an  so oft er nur kann.
Hugo Chávez, Venezuelas Präsident, greift die USA gern rhetorisch an so oft er nur kann.
Foto: rtr

Hugo Chávez hat schon immer den Kontakt zu den umstrittenen Figuren der Weltpolitik gesucht - aber muss es ausgerechnet Omar al-Baschir sein? Den Sudanesen, gegen den ein Haftbefehl wegen Kriegsverbrechen und Völkermord vorliegt, hat Chávez nun nach Caracas eingeladen.

Dass der für das Dauer-Drama in Darfur verantwortliche Präsident des Sudan jemals der Einladung folgt, ist unwahrscheinlich, schon weil er dann durch den internationalen Luftraum müsste - riskant für jemanden, auf den der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag einen Haftbefehl ausgestellt hat.

Aber um den Besuch geht es bei der Einladung gar nicht. Chávez suchte mit seiner Solidaritätserklärung für den der Verbrechen gegen die Menschlichkeit Beschuldigten den Applaus der arabischen Welt, in der der Haftbefehl meist als neuer Angriff des Westens auf den Islam verstanden wird. Man solle lieber den ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush anklagen, empfahl Chávez, weil er "das iranische Volk ausgelöscht" hat. Mit solchen Sprüchen kann sich Chávez des Beifalls nicht nur im Sudan gewiss sein. Dass er nebenbei den Strafgerichtshof, dem die USA am meisten Widerstand entgegengebracht haben, zu einer Art imperialistischem Werkzeug degradiert, gehört zu den Widersprüchen, die der Venezolaner übergeht.

Steckt wirklich Überzeugung hinter der gezielten Verletzung der Regeln weltpolitischer Korrektheit? Sucht Chávez nur Beifall? Oder geht es um handfeste politische und wirtschaftliche Vorteile? Vermutlich alles zusammen.

Die Kontakte zu umstrittenen Figuren der Zeitgeschichte - zu Baschir, zu Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad, zu Libyens Omar al-Gaddafi, zu Weißrusslands Alexander Lukaschenko - haben einen gemeinsamen Nenner: Sie ärgern die USA. Insofern entsprechen sie der Überzeugung Chávez', der die USA, offenbar unabhängig vom jeweiligen Bewohner des Weißen Hauses, als Erzfeind betrachtet.

Dass der eitle, egozentrische Chávez den Beifall liebt, liegt auf der Hand. Und er erhält ihn. "Warum können arabische Politiker nicht das tun, was ein Nicht-Araber und Nicht-Moslem fertig bringt?", fragte sich der arabische TV-Sender Al-Dschasira in einem Bericht über den populären Venezolaner, der die Beziehungen zu Israel abgebrochen und sich ohne großes Wenn und Aber auf die arabische Seite geschlagen hat.

Die politischen und wirtschaftlichen Interessen, die sich mit Chávez's Liebe zu den Ungeliebten verbinden, laufen auf eine Politik der Multipolarität hinaus. Chávez will, und da ist er nicht der einzige, der nun etwas angeschlagenen Hegemonie der USA eine multipolare Welt entgegensetzen.

Autor:  WOLFGANG KUNATH
Datum:  3 | 4 | 2009
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