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23. Januar 2013

Vergewaltigungsopfer abgewiesen: Das Alles-oder-nichts-Prinzip des Erzbistums

 Von Joachim Frank
"Dieser Vorgang beschämt uns zutiefst": Erzbischof Joachim Meisner. Foto: dpa

Die Abweisung einer vergewaltigten Frau durch zwei katholische Kliniken in Köln soll nun rechtlich geprüft werden.

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Köln –  

Im Kölner Kliniken-Skandal hat sich Kardinal Joachim Meisner persönlich dafür entschuldigt, dass zwei katholische Krankenhäuser einer vergewaltigten Frau im Dezember 2012 die Behandlung verweigert hatten. Gleichzeitig bekräftigt der Erzbischof die Position der katholischen Kirche zum uneingeschränkten Lebensschutz, der keine Relativierung dulde. In Form und Inhalt ist eine solche persönliche Erklärung des Erzbischofs ungewöhnlich und lässt auf Brisanz schließen. Der Vorsitzende der Grünen in Nordrhein-Westfalen, Sven Lehmann, sprach von einem Lippenbekenntnis. Ein kirchlicher Insider kritisierte, das Bistum setze Ärzte und Pflegepersonal auf fatale Weise unter Druck. „In unseren Kliniken regiert die Angst.“

Meisner drückte in der Stellungnahme tiefste Beschämung aus. Was der jungen Frau widerfahren sei, „hätte nie geschehen dürfen“, so der 79-Jährige. „Sie suchte Hilfe in großer Not und fand keine Aufnahme.“ Das widerspreche dem christlichen Auftrag und Selbstverständnis. „Es gab und gibt auch keine kirchliche Anweisung, Vergewaltigungsopfer anders zu behandeln oder gar abzuweisen“, betont der Erzbischof. Warum der jungen Frau dies trotzdem passiert sei, müsse „jetzt genau erforscht“ werden.

Schutz des menschlichen Lebens

Ausgenommen von umfassender Hilfe bei einem „schlimmen Verbrechen“ wie Vergewaltigung seien allerdings „alle Maßnahmen, welche die Tötung eines möglicherweise schon gezeugten Kindes bedeuten“. Diese ethische Grundhaltung werde von vielen Menschen nicht geteilt und „dabei schnell als überholt und realitätsfern bezeichnet“. Realität sei aber die grundsätzliche und bedrängende moralische Entscheidung. Die Position der Kirche sei klar: Der Schutz des menschlichen Lebens gelte vom Moment der Zeugung an.

Ein Aufsichtsratsmitglied katholischer Kliniken im Erzbistum Köln, das zum Schutz der Häuser im nicht namentlich genannt werden will, warf der Bistumsleitung vor, die Ärzte zu gängeln und unter Druck zu setzen. „Statt ihnen zu vertrauen und ihnen in ohne schwierigen Notsituationen einen Ermessensspielraum für gewissenhaftes Handeln im Einzelfall zu geben, baut die Kirche mit ihrem Alles-oder-nichts-Prinzip zusätzlich Druck auf.“ Das führe zu Kurzschluss-Reaktionen wie in dem Kölner Fall. Fachlich fundierte Richtlinien müssten auch auf die Wirkung der „Pille danach“ eingehen. Je früher sie verabreicht würde, desto höher sei die Wahrscheinlichkeit, dass das Präparat lediglich eine Empfängnis verhüte, nicht aber die Frühabtreibung einer bereits befruchteten Eizelle zur Folge habe.

Grünen-Chef Lehmann forderte das Erzbistum auf, „sich von seinen mittelalterlichen Dogmen zu verabschieden“. Der Vorwurf eines „frauenfeindlichen Systems im Erzbistum“ lasse sich nun nicht mehr von der Hand weisen. Er begrüßte die Ankündigung des Landesgesundheitsministeriums, die Vorgänge in Köln rechtlich prüfen zu lassen.

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