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24. September 2014

Verhaftung Ex-Erzbischof Wesolowski: Papst Franziskus macht Ernst

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"Null Toleranz" hatte Papst Franziskus beim Thema Kindesmissbrauch angekündigt.  Foto: rtr

Wegen Missbrauchsvorwürfen wird ein ehemaliger Nuntius im Vatikan verhaftet. Der Fall zeigt, dass es Papst Franziskus ernst meint mit seiner Ankündigung, gegen Geistliche, die Kinder missbrauchen, mit „Null Toleranz“ vorzugehen – auch gegen hochrangige Kirchenvertreter.

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Erstmals in der Geschichte ist im Vatikan ein hoher Würdenträger der katholischen Kirche wegen Missbrauchsvorwürfen verhaftet worden. Der ehemalige Erzbischof und päpstliche Nuntius der Dominikanischen Republik, der Pole Jozef Wesolowski, wurde am Mittwochnachmittag von der vatikanischen Gendarmerie in Gewahrsam genommen. Er ist angeklagt, in der Dominikanischen Republik minderjährige Jungen für Sex bezahlt zu haben. Im Kirchenstaat soll ein Strafprozess gegen ihn geführt werden.

Weil der 66 Jahre alte Wesolowski gesundheitlich angeschlagen ist, muss er zunächst nicht in eine Zelle, sondern steht in den Räumen des vatikanischen Justizpalastes unter Hausarrest.

Die Verhaftung zeigt, dass es Papst Franziskus ernst meint mit seiner Ankündigung, gegen Geistliche, die Kinder missbrauchen, mit „Null Toleranz“ vorzugehen – auch gegen hochrangige Kirchenvertreter. Vatikan-Sprecher Federico Lombardi erklärte, die Festnahme sei auf Anordnung des Papstes erfolgt, „damit ein so schwerer Fall ohne Verzögerungen behandelt wird, mit der nötigen Strenge“.

Wesolowski war vom polnischen Papst Johannes Paul II. zum Priester geweiht und zum Vatikan-Diplomaten berufen worden. Nach mehreren Auslandsstationen kam er 2008 als päpstlicher Botschafter nach Santo Domingo. 2013 sagte ein ehemaliger Mitarbeiter, ein Diakon, aus, dass er dem Bischof Minderjährige für sexuelle Handlungen zugeführt habe. Wesolowski wurde in den Vatikan zurückbeordert, bevor die dominikanischen Behörden von den Vorwürfen erfuhren.

Weitere Geistliche involviert

Es fanden sich vier weitere Zeugen, dominikanische Jungen im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren, einige von ihnen Schuhputzer, die der Geistliche am Strand von Santo Domingo angesprochen hatte und denen er Geld für Sexspiele zahlte. Nach ihren Aussagen war der Bischof als „Josie“ oder „Der Italiener“ bekannt. Weitere Geistliche aus der Botschaft sind ebenfalls des Kindesmissbrauchs beschuldigt.

Die Behörden in der Dominikanischen Republik ermitteln seit vergangenem Jahr gegen Jozef Wesolowski und haben viel belastendes Material gesammelt.  Foto: rtr

Ende Juni war Wesolowski vom Gericht der vatikanischen Glaubenskongregation zunächst nach kirchlichem Recht verurteilt und in den Laienstand versetzt worden, er verlor sein Priesteramt und seine diplomatische Immunität. Dagegen hat er Berufung eingelegt.


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Kürzlich war er bei Spaziergängen außerhalb der vatikanischen Mauern gesehen worden, internationale Medien wie die „New York Times“ kritisierten das. Die Verhaftung soll nun wohl auch eine Flucht vor einem Strafprozess verhindern.

Die Enthüllungen über den Kindesmissbrauch hatten in der Dominikanischen Republik große Empörung ausgelöst. Die dortigen Behörden ermitteln seit vergangenem Jahr gegen Wesolowski und haben viel belastendes Material, auch Fotos, gesammelt. Sie fordern, ihm müsse im Karibikstaat der Prozess gemacht werden. Polen drängt ebenfalls auf eine Auslieferung. Da der Ex-Bischof aber auch die vatikanische Staatsbürgerschaft hat und es kein Auslieferungsabkommen gibt, lehnt Rom das bisher ab.

Historisch einmalig

Das Kinderschutzkomitee der Vereinten Nationen hatte den Kirchenstaat mehrfach aufgefordert, schnelle und unparteiische Ermittlungen im Fall Wesolowski zu garantieren. Sollte er im Vatikan verurteilt werden, drohen ihm nach dortigem Recht bis zu zwölf Jahre Haft.

Der italienische Bischof Domenico Mogavero, der sich mehrfach gegen falsches Mitleid in der Kirche für pädophile Priester ausgesprochen hatte, bezeichnete die Verhaftung in der Zeitung „La Repubblica“ als sensationelle Geste des Papstes. „In früheren Zeiten pflegte die Kirche solche Fälle anders zu behandeln.“

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