Brüssel. Das hoch verschuldete Island hat beste Chancen, binnen zwei oder drei Jahren Mitglied der Europäischen Union zu werden. Die Brüsseler EU-Kommission empfahl gestern den Regierungen der Gemeinschaft die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen. Der Inselstaat erfülle dafür alle Voraussetzungen, sagte Erweiterungskommissar Stefan Füle.
Der tschechische Kommissar betonte zwar, dass es "keine Abkürzung im Beitrittsprozess" gebe und jeder Kandidat das übliche Verfahren durchlaufen müsse. Er machte aber auch deutlich, dass er im Falle Islands keine größeren Probleme erwarte. Als Mitglied des Europäischen Wirtschafts- und des Schengen-Raumes habe es bereits etwa ein Drittel der EU-Rechtsvorschriften übernommen. Ein weiteres Drittel entspreche den europäischen Standards.
Island hat nur 320000 Einwohner. Weil es frei über seinen Fischbestand verfügen wollte, sperrte es sich lange gegen einen EU-Beitritt. Im Juli 2009 reichte die Regierung dann doch einen Antrag ein: Mehrere Banken waren zusammengebrochen und hatten dem Land Schulden in Höhe des Zehnfachen der gesamten Wirtschaftsleistung hinterlassen.
Island streitet mit Großbritannien und den Niederlanden über die Entschädigung geprellter Bank-Kunden. Großbritannien und die Niederlande hatten die Sparer entschädigt und wollen das Geld nun von Reykjavik zurück. Dieser Streit könnte die Annäherung an die EU erschweren.
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