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Verkürzte Dienstzeit: Zivildienst vor dem Aus?

Die geplante Verkürzung des Zivildienstes bringt Wohlfahrtsverbände in die Bredouille. Rettungsdienste müssen künftig möglicherweise ohne Zivis auskommen. Sie hoffen nun auf freiwillige Helfer. Von Joachim Wille

Der Zivildienstleistende Bastian Klein repariert im Alten- und Pflegewohnheim St. Franziskus der Caritas in Langenfeld (Kreis Mettmann) eine Lampe am Bett der Bewohnerin Betty Lück.
Der Zivildienstleistende Bastian Klein repariert im Alten- und Pflegewohnheim St. Franziskus der Caritas in Langenfeld (Kreis Mettmann) eine Lampe am Bett der Bewohnerin Betty Lück.
Foto: dpa

Der Zivildienst könnte zum Auslaufmodell werden. Erstmals haben Wohlfahrtsverbände angekündigt, dass sie die bisher mit Zivis besetzten Stellen zurückgeben und eventuell künftig anders besetzen wollen. Grund ist die Verkürzung der Dienstzeit von neun auf sechs Monate, die von der neuen Bundesregierung im Koalitionsvertrag angekündigt wurde. Bei den Organisationen der Zivildienstleistenden sieht man die Lage hingegen weniger dramatisch.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband bewertet die Verkürzung als "Anfang vom Ende des Zivildienstes". So sei etwa bei der Pflege, in Kindergärten oder der Behindertenarbeit ein Wechsel der Bezugspersonen alle sechs Monate nicht zu verkraften, argumentiert er. Im Rettungsdienst lohne sich der Sechs-Monate-Turnus nicht mehr, da die Ausbildung alleine drei Monate dauere.

Der Zivildienstleistende Bastian Klein repariert im Alten- und Pflegewohnheim St. Franziskus der Caritas in Langenfeld (Kreis Mettmann) eine Lampe am Bett der Bewohnerin Betty Lück.
Der Zivildienstleistende Bastian Klein repariert im Alten- und Pflegewohnheim St. Franziskus der Caritas in Langenfeld (Kreis Mettmann) eine Lampe am Bett der Bewohnerin Betty Lück.
Foto: dpa

Die Mitgliedsorganisationen des Verbandes hätten bereits signalisiert, dass sie die Stellen dann ans Bundesamt für Zivildienst zurück geben würden, sagte Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider. Der Verband beschäftigt zur Zeit rund 15.000 Zivis.

Das Diakonische Werk hingegen, das 12000 Zivi-Stellen hat, will solch drastische Konsequenzen nicht ziehen. Es gebe auch bei sechs Monaten Dienstzeit "durchaus noch Möglichkeiten, die jungen Leute einzusetzen", sagte dessen Sprecher Stephan Röger der FR. Er verwies darauf, dass die Zivis laut Gesetz ja nur mit "zusätzliche Aufgaben" betraut werden dürfen, also keine regulären Kräfte ersetzen sollen.


Foto: Thomas Plaßmann

Kaum Planungssicherheit

Trotzdem ist wohl unabweislich, dass die Bedeutung des Zivildienstes tendenziell abnimmt. Anbieter von Zivi-Stellen wie das Deutsche Jugendherbergswerk, das deren Zahl bereits von 1800 auf 800 gekürzt hat, erwägen, demnächst ganz auf die Kriegsdienstverweigerer zu verzichten. Bei sechs Monaten gebe es zu viel Wechsel und eine zu geringe Planbarkeit, so das Argument.

Die aktuellen Wehrdienst- und Zivi-Jahrgänge sind rund 400.000 junge Männer stark. Pro Jahr werden rund 68.000 zum Bund eingezogen, rund 76.000 müssen Zivildienst ableisten. Die Zivi-Dienstzeiten wurden seit dem Höchststand in den 80er Jahren mehrfach gesenkt, damals waren es volle 20 Monate.

Begleitet wurde die jeweiligen Schritte immer wieder mit Klagen der Dienststellen-Anbieter, dass dadurch der Zivi-Einsatz für sie unattraktiv bis unsinnig würde. Tatsächlich nahm die Zahl der Zivis bis 1998 zu - auf knapp 140.000. Danach sank sie kontinuierlich. 2009 allerdings gab es wieder eine leichte Wende noch oben.

Der Zivildienst wurde durch die Kappung der Dienstzeiten also nicht obsolet, aber er veränderte sich. So haben die Rettungsdienste wie das Rote Kreuz die Zivi-Dienststellen bereits deutlich gekürzt - von 5000 auf 2000. Es arbeiten dort fast nur noch Zivis, die bereits eine entsprechende Ausbildung haben, weil sie zum Beispiel bereits ehrenamtlich bei den Organisationen tätig waren.

Und natürlich fehlt es an Geld

Viele der Organisationen setzen darauf, künftig statt Zivis junge Männer und Frauen einzusetzen, die ein Freiwilliges Soziales Jahr machen. Das Interesse dafür ist da. Laut der jüngsten Shell-Jugendstudie haben 17 Prozent der Jugendlichen Interesse, einen solchen Dienst zu machen - das wären pro Jahrgang rund 130.000 Köpfe. Freilich hapert es an der Finanzierung. Die FDP, die hierfür mehr Geld bereit stellen wollte, konnte sich in den Koalitionsverhandlungen nicht durchsetzen.

Die Zentralstelle KDV, die Kriegsdienstverweigerer berät, plädiert für eine Stärkung dieses freiwilligen Bereichs. Die Sechs-Monate-Lösung hingegen sei als "Unsinn". Notwendig sei vielmehr ein kompletter Abschied von der Wehrpflicht. Deutschland solle sich damit dem Modell von 23 der 28 Nato-Staaten anschließen.

Autor:  Joachim Wille
Datum:  3 | 11 | 2009
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