Es war sein Erfolgsgeheimnis im Wahlkampf, und er will es in die Regierungspraxis übernehmen: Barack Obama nutzt das Internet wie kein Staatschef auf der Welt und wie kein US-Präsident vor ihm. "Obama ist der erste Präsident, der sich (...) mit vielen Millionen Menschen verbunden hat", sagt der demokratische Internet-Experte Joe Trippi. Obamas E-Mail Datenbank ließ die republikanischen Rivalen im Wahlkampf neidisch werden: Mehr als zehn Millionen Menschen sind in die Liste eingetragen, rund 3,1 Millionen davon haben für die Obama-Kampagne gespendet.
Und Obama pflegt seine Kontakte: Bevor er nach seinem deutlichen Sieg am 4. November zu seinen Hunderttausenden Anhängern in Chicago gesprochen hatte, schickte er eine E-Mail herum. "Das ist alles nur wegen Euch geschehen", lobte er seine Unterstützer. "Danke schön, Euer Barack."
Nun schlagen Experten vor, die Massen am Gesetzgebungsprozess zu beteiligen. Die Zukunft sieht laut Online-Magazin "Slate" so aus, dass Obama im Internet seine Steuer- oder Gesundheitspläne sozusagen zur Abstimmung stellt und ein Meinungsbild einholt. Wenn derKongress dann einen Gesetzesvorstoß von ihm ablehne, stimme er nicht nur gegen den Präsidenten, sondern auch gegen dessen virtuelle Unterstützer im Netz, sagt Trippi.
Wie Roosevelt und Kennedy
US-Medien stellen Obama bereits in eine Reihe mit ehemaligen US-Präsidenten, die die Medien ihrer Zeit für sich nutzten: Franklin D. Roosevelt - der Radio-Präsident, John F. Kennedy - der TV-Präsident und Barack Obama - der "vernetzte Präsident". Noch ist das Konzept nicht spruchreif, aber: 95 Mitarbeiter pflegten imWahlkampf Obamas virtuelle Auftritte, und die neue Internet-Präsentation des Weißen Hauses werde "wesentlich ambitionierter", sagen seine Berater. Die wöchentliche Radioansprache des Präsidenten wird nicht nur über den Äther zu empfangen sein, sondern auch als Video auf dem Portal "YouTube".
Mitarbeiter sucht Obama längst online. Adresse, Schulabschluss und berufliche Stärken auf der Webseite change.gov eintragen und abschicken. Rund 150000 Amerikaner haben das bereits getan. Obama hält auf change.gov seine Anhänger über den Amtswechsel mit Blog-Einträgen auf dem Laufenden.
Es gibt aber auch kritische Einwände: "Was passiert, wenn konservative Wähler sich zusammentun und die Internet-Instrumente gegen Obama anwenden?", fragt Farhad Manjoo im Magazin "Slate". Das Meinungsbild könnte verzerrt werden, befürchtet er. Und wo ist die Grenze für Online-Beteiligung: Würde Obama etwa auch die Meinung zur Besetzung wichtiger Kabinettsposten oder zu militärischen Aktionen einholen?
Clinton ziert sich noch
Nach US-Medienberichten mehren sich die Anzeichen, dass Obama der früheren First Lady Hillary Clinton bald das Amt der künftigen Außenministerin anbieten wird. Wie der Sender CNN in der Nacht zum Freitag unter Berufung auf Berater Obamas berichtete, sei dieser "auf bestem Wege", seine früheren Rivalin nach Thanksgiving am Donnerstag kommender Woche zu nominieren. Clinton selbst soll noch unentschieden sein. Ihr Ehemann und Ex-Präsident Bill Clinton hatte sich bereits dazu bereiterklärt, die Namen der Spender seiner Wohltätigkeitsstiftung offenzulegen, um mögliche Interessenkonflikte bei einer Amtsübernahme seiner Frau zu vermeiden. (dpa)
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