Berlin. Hebammen gehören nicht gerade zu den Berufsgruppen, die im Rampenlicht des öffentlichen Interesses stehen. Das könnte sich allerdings ändern. Denn die Hebammen haben ein Problem, an dem viele Bürger Anteil nehmen: In nicht einmal zwei Wochen haben rekordverdächtige 90000 Menschen eine Online-Petition an den Bundestag unterzeichnet, in dem Unterstützung für die Geburtshelfer gefordert wird.
Grund sind drastisch gestiegene Prämien der Berufshaftpflichtversicherung freiberuflicher Hebammen, die in der Geburtshilfe tätig sind. Das sind etwa 4000 der rund 17000 organisierten Hebammen. Zum 1. Juli soll die Prämie um gut 1300 Euro auf knapp 3700 Euro angehoben werden. 2007 kostete die Versicherung noch 1200 Euro. Und dabei handelt es sich bereits um einen vergleichsweise günstigen Gruppen-Vertrag.
Grund für die Erhöhung sind nach Angaben des Verbandes die gestiegenen Schadenersatzansprüche vor allem der Krankenkassen, berichtet Edith Wolber vom Deutschen Hebammenverband. "Die Kassen beschäftigen eigene Regressabteilungen, um teure Behandlungsfälle nach Schuldigen zu durchsuchen, denen die Kosten angelastet werden können."
Die hohen Prämien sind für viele Hebammen unbezahlbar. So liegt das zu versteuernde Einkommen nach Angaben des Verbandes im Schnitt bei 1200 Euro im Monat, was einem Stundenlohn von netto 7,50 Euro entspricht. Befürchtet wird, dass durch den Prämienanstieg weitere Hebammen aus der Geburtshilfe aussteigen und sich nur der Vor- und Nachsorge widmen. Nach der letzten Erhöhung gaben laut Verband zehn Prozent der Hebammen die aktive Geburtshilfe auf. "Mit der Steigerung der Haftpflichtprämie ist absehbar, dass sich die verbleibenden Hebammen aus dem Kernbereich ihres Berufes zurückziehen", wird in der Petition gewarnt.
Die Hebammen fordern daher staatliche Unterstützung, um die Versicherung weiterhin bezahlen zu können. Inzwischen haben sie auch in Berlin Gehör gefunden: Die schwarz-gelbe Koalition hat das Problem erkannt und ist bereit, nach Lösungen zu suchen. "Die Forderungen der Hebammen sind berechtigt", sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Ulrike Flach, der Frankfurter Rundschau.
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