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Eigenwerbung der Bundeswehr: Verträge vorerst nur mit Springer

Das Verteidigungsministerium gibt knapp 5,7 Millionen Euro für „personalwerbliche Anzeigen“ aus, wie aus seiner Antwort auf eine Anfrage der Linkspartei hervorgeht. Ein großer Teil des Geldes fließt dabei an die Medien des Axel-Springer-Konzerns.

Das Gebäude der Axel Springer AG in Berlin (Archivbild vom 17.01.2006).
Das Gebäude der Axel Springer AG in Berlin (Archivbild vom 17.01.2006).
Foto: dpa

Die Bundeswehr stockt ihren Etat für Eigenwerbung massiv auf. Allein für Anzeigen in Print- und anderen Medien plant das Bundesverteidigungsministerium für das Jahr 2011 Ausgaben in Höhe von knapp 5,7 Millionen Euro. Ein großer Teil davon fließt direkt an Medien des Axel-Springer-Konzerns wie Bild und Bild am Sonntag (BamS), die Minister Karl-Theodor zu Guttenberg zuletzt massiv gegen Plagiatsvorwürfe in Schutz nahmen. Die Höhe der Werbemittel ergibt sich aus einer Antwort des Ministeriums auf eine Anfrage der Linkspartei, die der Frankfurter Rundschau vorliegt.

Die innenpolitische Sprecherin der Linken, Ulla Jelpke, sprach von einem „ganz miesen Deal“. „Das Guttenberg-Ministerium belohnt die Verteidigung des Plagiatsministers durch den Springer-Konzern offenbar mit Hunderttausenden Steuer-Euro.“

Die enge Verbindung des Hauses Guttenberg zum Springer-Verlag war Ende vergangener Woche publik geworden. Das Ministerium musste einräumen, dass Anzeigen der Bundeswehr-Werbekampagne 2011 zunächst nur in Bild, BamS und auf dem Online-Angebot bild.de geschaltet würden. Dafür erhalten die beiden Blätter und ihre Online-Ausgabe in den ersten vier Wochen rund 600.000 Euro, in weiteren Phasen der Kampagne einen noch nicht genau bezifferten weiteren hohen Betrag.

Die Springer-Medien sind die einzigen, mit denen die Verantwortlichen des Werbefeldzugs bislang Verträge abgeschlossen haben. Der Gesamtetat für die Kampagne 2011 belaufe sich auf 4,8 Millionen Euro, erklärte das Ministerium in der Vorwoche. In der aktuellen Antwort an die Linkspartei ist nun von exakt 5695448 Euro für „personalwerbliche Anzeigen“ die Rede. Das sei kein Widerspruch, erklärte das Ministerium auf Anfrage. Die 4,8 Millionen seien eine „Teilmenge“ der Gesamtwerbekosten.

Opposition wittert Kumpanei

Die SPD hatte bereits zuvor von „Kumpanei“ zwischen Guttenberg und dem Springer-Verlag gesprochen. Es sei merkwürdig, wenn der größte mediale Fürsprecher des Ministers in der Plagiatsaffäre einen derart lukrativen Werbeauftrag aus dessen Ministerium bekomme. Der Springer-Verlag wies einen möglichen Zusammenhang zur wohlwollenden Berichterstattung als „absurd und lächerlich“ zurück. Konzertiert wird die Werbekampagne von der Agentur Zenithmedia, die dafür allein 2009 und 2010 rund 250.000 Euro aus dem Ministerium erhielt.

Wissenschaft sauer auf Guttenberg - Demo in Berlin

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Die Antwort des Ministeriums an die Linke zeigt auch, dass der Werbeetat für die Bundeswehr binnen zweier Jahre exorbitant gestiegen ist: 2009 lag er noch bei rund 3,9 Millionen Euro, ist also um fast 50 Prozent auf die jetzt geplanten 5,7 Millionen gewachsen.

Rechnet man die Beteiligung an Messen und Ausstellungen sowie andere Werbe-Ansätze dazu, entstehen rund zehn Millionen Euro Reklamekosten der Truppe. „Das spricht allen Spar-Appellen Hohn“, sagte die Linkenabgeordnete Jelpke der Frankfurter Rundschau. Perfide sei, dass die Bundeswehr auch vor Kindern und Jugendlichen in Schulen nicht Halt mache. Laut des Ministeriums gab es allein 2010 an Schulen 12935 Imageveranstaltungen.

Autor:  Jörg Schindler
Datum:  28 | 2 | 2011
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