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Politik
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11. Februar 2016

Vinton Cerf: Verteidiger der Freihheit

 Von 
Vinton Cerf hat das Internet mitbegründet und bekam dafür eine Auszeichnung für sein Lebenswerk.  Foto: REUTERS

Der Vizepräsindet von Google Vinton Cerf hält in München die Gegenrede zu den Geheimdienst-Chefs.

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Es gibt eine Handvoll Menschen, von denen jede Meinungsäußerung und Warnung zu Status und Zukunft des Internets alle Welt aufhorchen lässt. Einer von ihnen ist der US-Amerikaner Vinton Cerf, 74 und Vizepräsident von Google. Das allein wäre Grund genug, seine Sicht auf die Online-Welt ernst zu nehmen. Doch Cerf ist viel mehr als einer der Chefs des führenden Digitalkonzerns. Bei Google firmiert er sogar als „Chief Internet Evangelist“, oberster Internet-Prediger – immerhin hat er einst das Word Wide Web miterfunden. Doch nicht nur die Bedeutung Cerfs, vielmehr der Stellenwert des Cyberspace insgesamt zeigt sich daran, dass der Informatiker zu den hochkarätigen Gästen zählt, die zur Sicherheitskonferenz in München erwartet werden.

Dass sich auch deren Selbstverständnis wandelt, lässt sich daran ablesen, dass Cerf eine besondere Rolle zukommt: Er wird der Gegenredner zu den Chefs der Auslandsgeheimdienste der USA und Großbritanniens sein, von CIA und GCHQ. Es zählt schon zu den Überraschungen des Programms, dass sich die obersten Spionageverantwortlichen auf ein Podium setzen und über die Notwendigkeit der Internet-Überwachung zur Terrorabwehr sprechen. Dass gegen sie ein so prominenter Vordenker antritt, um die Freiheit des Internets zurückzufordern, macht das Panel zu einem Highlight.

Filmreife Biografie

Seinen Kultstatus verdankt Cerf auch einer film- wie geschichtsbuchreifen Biografie: Schon als Kind war der an der US-Ostküste geborene „Vint“ nicht nur Mathematik-Talent, sondern auch stark schwerhörig. Das motivierte ihn zur Suche nach schnellerer schriftlicher Kommunikation – wie sie die E-Mail später erlaubte, zu deren Entstehung Cerf in den 80ern Wesentliches beitrug. Bereits nach seinem Mathematik-Bachelor heuerte er 1965 bei IBM an, wo er an Programmiersprachen arbeitete. Später studierte und promovierte er in Informatik und fand parallel Anschluss ans Arpanet-Projekt, in dem die US-Luftwaffe einen Vorläufer des Internets entwickelte.

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Als Informatikprofessor arbeitete Cerf weiter daran mit – und entwickelte mit seinen Studenten entscheidende Grundlagen der im Internet verwendeten Verbindungsprotokolle zum Datenaustausch zwischen vernetzten Computern. Es folgten Chefposten und Pioniertaten an US-Unis und in der Digitalwelt – bis hin zum Vorsitz der „Internetregierung“ ICANN von 2000 bis 2007. 2005 stieg er in die Google-Chefetage ein, wo er auch die Forschungsabteilung für Sicherheit und Privatsphäre leitete.

Das erklärt, warum in München ausgerechnet ein Google-Vertreter die Freiheit und Privatsphäre verteidigt: Google dürfte es mehr um die unternehmerische Freiheit gehen als um die Privatsphäre seiner eigenen Kunden, ohne deren Daten auch der Internetriese kaum noch ein Geschäftsmodell hätte.

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