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11. Juli 2012

Volkszorn als Türöffner: Neonazis auf Facebook

 Von Steven Geyer
Selten geben sich Neonazis in sozialen Netzwerken am Anfang so offen wie hier zu erkennen, um Jugendliche für sich zu gewinnen. Foto: dpa

Versteckte Propaganda: Neonazis nutzen emotionale Themen wie Kindesmissbrauch oder Arbeitslosigkeit, um Jugendliche in sozialen Netzwerken anzusprechen. Ihre Strategie scheint aufzugehen.

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Todesstrafe für Kinderschänder“ oder „Salafisten stoppen“ sind wirkungsvolle Namen für Gruppen in Online-Netzwerken, wenn es darum geht, auch viele unpolitische User anzusprechen. Wer mag schon Vergewaltiger oder Islamisten? Der Volkszorn ist ein guter Türöffner.
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Allerdings stecken hinter derlei Aktivitäten auf Facebook oder Google+ oft gezielte Vertuschungsstrategien von Gruppen, denen es um ganz anderes geht: Jugendliche schrittweise an faschistische Ideen heranzuführen.
Dem gestern in Berlin vorgestellten Bericht „Rechtsextremismus online“ zufolge setzen Neonazis aller Couleur zunehmend auf unauffällige Menschenfischerei in den sozialen Netzwerken sowie auf Twitter und in YouTube-Kanäle mit ähnlichen Inhalten, um an Jugendliche zu gelangen. Allein bei jugendschutz.net – einer Organisation, die die Bundesländer netzpolitisch berät – meldeten User im vorigen Jahr 629 rechtsextreme Aktivitäten in sozialen Netzwerken – das Dreifache von 2008. „Für Rechtsextreme sind die Mitmachnetze inzwischen das wichtigste Rekrutierungsfeld“, sagte Stefan Glaser, Leiter des Bereichs Rechtsextremismus von jugendschutz.net, das die Studie jährlich erstellt.

Immer radikaler - ohne Angst vor Strafverfolgung

Unter dem Deckmantel emotionaler Themen wie der Finanzkrise, Arbeitslosigkeit oder sexuellem Missbrauch erreichten sie dort „rasend schnell ein Millionenpublikum“, so Glaser. So habe es ein von Rechtsextremen angelegtes Facebook-Profil zum Thema Kindesmissbrauch bis zu seiner Löschung auf über 35.000 Zustimmungen gebracht. Der rechtsextreme Kontext werde in diesen Fällen versteckt, Links auf den Seiten würden aber einen Einstieg in die Szene bieten. Auch über Underground-Musik, deren rechte Texte nicht sofort auffallen, verschaffen sich die Neonazis Zugang zu den Jugendzimmern.
Zugleich verstärke sich aber die entgegengesetzte Tendenz: Wo sie sich vor Sperrung durch die Netzwerkbetreiber sicher fühlten, geben sich die Neonazis inzwischen ganz offen immer radikaler. Strafverfolgung fürchten sie dabei offenbar kaum – ungeniert werden zunehmend illegale Inhalte gepostet. Und das, obwohl laut Studie 65 Prozent der rechtsextremen Websites auf deutschen Servern liegen. Der Rest werden vor allem über US-Provider verbreitet. Besonders stark wuchsen die rechten Aktivitäten auch bei Twitter: Die Zahl der von Neonazis betriebenen Kanäle verdoppelte sich binnen einen Jahres auf 141, vor allem NPD und Neonazigruppen setzten auf den Dienst. Auf diesem Weg sowie über die Online-Netzwerke versuchen die Rechtsextremen auch zunehmend, Jugendliche für Veranstaltungen zu ködern, die ein Hauch von Subversion umweht – etwa provokante Flashmobs oder öffentliche Aufmärsche.
Die vorgelegte Studie wird vom Bundesfamilienministerium und der Bundeszentrale für politische Bildung unterstützt. Ihr Präsident Thomas Krüger rief die Netzgemeinde gestern zur Zivilcourage auf – forderte aber auch stärkeres Vorgehen gegen die Inhalte durch die Behörden sowie die Betreiber der Seiten. Die Strafverfolgung und Löschung von Inhalten durch Provider sei unabdingbar.

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