Für die einen ist er schon fast ein Messias und Held, der sein Volk aus den Klauen von Völkermördern gerettet hat. Andere sehen in ihm einen finsteren Diktator, der in seiner Heimat Ruanda die Macht einer ethnischen Minderheit zu zementieren sucht. Im Vorfeld der ruandischen Wahlen hat sich die Kontroverse über Präsident Paul Kagame, 52, noch verschärft. Eine ganze Reihe offensichtlich politisch motivierter Morde und ein von jeder wirklichen Opposition gewalttätig gesäuberter Wahlgang haben das Image des umstrittenen Führers zusätzlich beschädigt.
Unbestritten ist, dass es sich bei Kagame um einen eingefleischten Militärmann handelt. Der dem Minderheitenvolk der Tutsi zugehörige Ruander führte bereits als junger Mann den Geheimdienst des einstigen ugandischen Rebellenchefs Yoveri Museveni an. Nachdem er diesem mit zur Macht verholfen hatte, übernahm er die Führung seiner eigenen Rebellentruppe, der von den vertriebenen Tutsi dominierten Ruandischen Patriotischen Front. Ob diese den Ausbruch des Völkermords, bei dem 1994 in gerade mal drei Monaten rund 800.000 Menschen getötet wurden, tatkräftig provoziert hatte, ist umstritten. Fest steht, dass Kagames Rebellen den Genozid mit ihrem Blitzeinmarsch so schnell es nur ging wieder beendeten.
Kagame versuchte nach dem Völkermord Sicherheit auf eine Art und Weise herzustellen, die von Kritikern als paranoid beschrieben wurden. Um Ruanda vor den im Kongo untergeschlüpften Überresten der Hutu-Milizen zu schützen, ließ Kagame seine Truppen zweimal ins Nachbarland einmarschieren. Dort spielten sie sich als arrogante Besatzer auf, die die Bodenschätze des Landes plünderten.
In Ruanda herrscht Kagame, der seit 16 Jahren – erst als Premierminister und dann als Präsident – regiert, wie ein Diktator. Er selbst pflegt Freiheitsdefizite damit zu rechtfertigen, dass eine Demokratie nach westlichem Vorbild in einem so tief zerrissenen Land wie Ruanda nur zur nächsten Katastrophe führen könne. Noch halten mächtige Freunde wie Bill Clinton und Tony Blair Kagame die Stange, beide gehören zu seinem Beraterkreis. Schließlich kann der schlaksige Hüne auch auf Erfolge verweisen. Wirtschaftlich geht es dem bodenschatzlosen Land so gut wie nie. Kagame versucht aus dem Bauernstaat ein afrikanisches Silicon Valley zu zaubern.
Der Präsident kommt dem Typus des „wohlwollenden Tyrannen“ sehr nahe. Entscheidend ist bei diesen Herrscherfiguren, ob schließlich das Wohlwollen oder die Tyrannei die Oberhand gewinnt. Kagame bewegt sich gegenwärtig eindeutig in die falsche Richtung.
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