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15. April 2012

Vor dem Prozess gegen Anders Breivik: Breiviks Anwälte setzen sich in Szene

 Von Hannes Gamillscheg
Anders Behring Breiviks Anwälte will Notwehr geltend machen, weil Breivik behauptet, das Vaterland retten zu müssen, und notgedrungen auf Freispruch plädieren. Foto: dapd

Die vier Anwälte des Massenmörders lassen sich bei einem Fotoshooting als glatziger Stratege, die barsche Domina, der junge Draufgänger und der geschliffene Streber ablichten. Die Fotokampagne sorgt in Norwegen für reichlich Zündstoff.

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Oslo –  

Die Fotos sind wie aus dem Trailer für eine US-Anwaltserie: Boston Legal oder L.A.Law oder The Defenders. Vier Anwälte mit grimmigem Blick, der glatzige Stratege, die barsche Domina, der junge Draufgänger und der geschliffene Streber. Doch die Bilder zeigen nicht vier TV-Stars, sondern das Team, das ab Montag den rechtsradikalen Massenmörder Anders Breivik verteidigt, und deshalb haben sie nun in Norwegen für reichlich Zunder gesorgt. „Geschmacklos“, urteilten 41 Prozent in einer Web-Umfrage der Zeitung „Aftenposten“. 19 Prozent hingegen hielten sie für „echt klasse“.

Er hatte gerade sein Boot nach einer Schwedenreise in Oslo verankert, als die Bombe im Regierungsviertel explodierte. Sein Partner Odd Grøn war auf dem Fahrrad 200 Meter vom Tatort entfernt. „Ich rief im Büro an um zu sehen, ob es noch stand“, sagt er, denn auch die Kanzlei Lippestad liegt ganz in der Nähe. Noch in der gleichen Nacht bekam Lippestad die Anfrage, ob er Breivik verteidigen wolle. Er sagte zu. Ihn unterstützen die drei Juristen, mit denen er sonst das Büro teilt. Anfänglich gab es Kritik aus Kollegenkreisen für seine offenmundige Art. Später sprach ihm der Advokatenverband der Ehrentitel „Leistung des Jahres“ zu, weil es ihm gelang, die Norweger verstehen zu lassen, dass auch der übelste Verbrecher Anspruch auf Wahrung seiner Rechte hat. Das Klischee vom „Anwalt des Teufels“ lehnt er ab. „Auch ein Mörder ist ein Mensch. Ich verteidige den Menschen, nicht seine Taten.“+

Er wollte seine Verteidigungslinie ursprünglich auf Unzurechnungsfähigkeit aufbauen. Jetzt muss er auf Wunsch seines Klienten das Gegenteil versuchen, denn Breivik will alles sein, nur nicht verrückt. Lippestad wird Notwehr geltend machen, weil Breivik behauptet, das Vaterland retten zu müssen, und notgedrungen auf Freispruch plädieren, obwohl er weiß, dass sich eher die Sonne um die Erde dreht, als dass er damit durchkommt. Gleichzeitig vertritt seine Kanzlei auch den Verband der Gehörbehinderten in einer Reihe von Rechtsfällen gegen norwegische Kommunen: Lippestad und seine Partner will nicht nur als „Breivik-Anwalt“ abgestempelt sein. Die Akten studierte er fallweise am Krankenbett seiner schwer behinderten 16-jährigen Tochter. Zwischendurch wurde er zum sechsten Mal Vater, wozu noch zwei weitere Kinder kommen, die seine Frau in die Ehe mitbrachte. Zehn Wochen lang wird er nun für Anders Breivik kämpfen, nach dem Urteil im Juli nimmt er sechs Wochen Vaterzeit. Dann soll es wieder mit dem Boot nach Schweden gehen.

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