Berlin. Nach dem verpassten Einzug von Joachim Gauck ins Schloss Bellevue erheben SPD und Grüne massive Vorwürfe gegen die Linkspartei. "Die Linke hat sich richtiggehend entlarvt", sagte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) der Frankfurter Rundschau: "Im Zweifelsfall setzt sie Ideologie vor politische Handlungsfähigkeit."
Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin warf der Linkspartei vor, das Geschäft von CDU-Kanzlerin Angela Merkel zu besorgen. Nach zwei gescheiterten Wahlgängen des schwarz-gelben Kandidaten Christian Wulff hatte die Linkspartei zwar ihre Kandidatin Luc Jochimsen zurückgezogen und den Abgeordneten das Votum freigestellt. Die überwältigende Mehrheit der Fraktion enthielt sich jedoch der Stimme.
Abschied von Horst Köhler im FR-Spezial
SPD und Grüne wollen neben der für Kanzlerin Merkel blamablen Zitterpartie bei der Wahl von Wulff nun vor allem das Abstimmungsverhalten der Linkspartei anprangern. "Die Partei ist der Verantwortung in der Bundesversammlung nicht gerecht geworden", sagte der SPD-Vize-Chef Olaf Scholz der FR. Mit der "demonstrativen Wahl" eines Bürgerrechtlers hätte die Führungsriege beweisen können, "dass sie sich wirklich von der DDR-Vergangenheit abgewendet hat. Beck sagte, er fühle sich in seiner Skepsis gegenüber der Linkspartei bestätigt: "Ein Sieg im Hinterzimmer ist denen wichtiger als eine personelle Weichenstellung von größter Bedeutung für die Bundesrepublik."
Trittin warf der politischen Konkurrenz vor: "Die Linkspartei hat dafür gesorgt, dass die Kanzlerin am Ende doch Wort gehalten hat." Merkel habe nämlich angekündigt, ihr Kandidat Wulff werde auch mit Stimmen der Opposition gewählt werden. "Dass sie dabei an Gysi und Lafontaine dachte, hätte ich nicht geglaubt."
Gleichwohl wertet die Opposition die Zitterpartie bei der Wahl als Niederlage für Merkel. "Für die Kanzlerin ist das furchtbar", sagte Scholz: "Sie hat sich zu sehr von Parteitaktik leiten lassen. Gauck hat das grell beleuchtet." Beck sprach von einem "Waterloo" für die CDU-Chefin. Sie habe nicht wahrgenommen, wie viel "ehrliche Unterstützung für Gauck" und wie viel "Groll gegen die Koalition" es in ihren Reihen gebe.
Dennoch wollen die Sozialdemokraten die Angriffe auf Merkel dosieren. "Wir haben Gauck als einen überparteilichen Kandidaten unterstützt. Jetzt können wir das nicht plötzlich parteitaktisch ausschlachten", hieß es in der Fraktionsspitze. Die Erosion des Zusammenhalts der schwarz-gelben Koalition spreche für sich, hieß es.
Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl
Bleibt Barack Obama Präsident der USA? Oder macht Mitt Romney von den konkurrierenden Republikanern das Rennen?
US-Wahl-Spezial mit Analyse und Hintergrund
Interaktive Karte zu den Vorwahlen der Republikaner
Exklusive Reportagereise durch den Wahlkampf
Weblog der USA-Experten unserer Redaktion
Bombardiert Israel die iranischen Atomanlagen? Weitet sich der Konflikt zum Regionalkrieg aus? Werden gar die USA hineingezogen? Die Lage in Nahost spitzt sich dramatisch zu. Das Spezial.
Ihr Wunsch-Bundespräsident Wulff scheitert, sie muss Gauck als Nachfolger hinnehmen, ihre Mehrheit steht im Bundestag nicht mehr hinter ihr: Die Autorität von Bundeskanzlerin Merkel schwindet. Das Spezial.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.