Berlin. Auf globaler Ebene stellen sich die Probleme mit der Bevölkerungsentwicklung ganz anders dar als in Deutschland. Trotz sinkender Geburtenraten gehen die Vereinten Nationen davon aus, dass die Zahl der Menschen noch bis Mitte des Jahrhunderts wachsen wird. Dann werden 9,1 Milliarden Männer und Frauen, Mädchen und Jungen auf der Erde leben, rund 2,2 Milliarden mehr als derzeit.
Dies ist das Ergebnis im mittleren Szenario, das einen Rückgang der durchschnittlichen Kinderzahl pro Frau von heute 2,56 auf 2,02 unterstellt. Bereits geringe Abweichungen bei dieser Annahme verändern die Gesamtbilanz gravierend. Schon allein wenn die Kinderzahl 2050 um durchschnittlich ein halbes Kind pro Frau höher läge, würde die Weltbevölkerung laut Vereinten Nationen auf 10,5 Milliarden wachsen. Bei statistisch einem halben Kind weniger als in der mittleren Variante legte die Zahl der Menschen auf acht Milliarden zu.
Das Bevölkerungswachstum hat massive Auswirkungen auf alle Lebensbereiche. Was dies für den Klimaschutz bedeutet, zeigt der Weltbevölkerungsbericht 2009 der UNFPA, des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen. Demnach würden bei einem Anstieg der Weltbevölkerung auf acht statt neun Milliarden ein bis zwei Milliarden Tonnen weniger Kohlendioxid freigesetzt. Entsprechende Einsparungen wären nur durch den Einsatz moderner Techniken in allen Neubauten weltweit oder den Ersatz aller Kohlekraftwerke durch Windanlagen zu erreichen. Die Unterstützung von Frauen in armen Ländern und Hilfen bei der Familienplanung könnten daher die Emission von Treibhausgasemissionen mindestens so senken wie Investitionen in Kern- oder Windenergie, heißt es in dem Bericht.
Allerdings weisen die Autoren auch auf die Kritik in Entwicklungsländern an einer solchen Betrachtungsweise hin. So habe der Umweltexperte Ariq Rahman aus Bangladesch schon Anfang der 90er Jahre erklärt, nicht das Bevölkerungswachstum in armen Ländern, sondern der Konsum in den reichen Regionen sei die eigentliche Klimabombe. Gleichwohl zeigten Berechnungen, dass in der Vergangenheit das Bevölkerungswachstum etwa für 40 bis 60 Prozent des Anstiegs der Emissionen verantwortlich gewesen sei.
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