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19. August 2014

Waffenexporte: Deutschlands Waffenschmiede

 Von 
Eine Panzerhaubitze 2000 vom deutschen Rüstungsunternehmen Krauss-Maffei Wegmann.  Foto: dpa

Trotz Milliardenumsätzen ist die deutsche Rüstungsbranche eher unbedeutend für die Gesamtwirtschaft. Welche Bedeutung hat die Waffenherstellung für die Wirtschaft Deutschlands?

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Die deutsche Rüstungsbranche ist in Aufruhr. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) tritt für einen restriktiveren Kurs bei den Rüstungsexporten ein. Damit gefährdet er einen wichtigen Teil des Geschäfts der Waffenhersteller. Sie warnen vor Umsatz- und Jobverlusten. Wer sind überhaupt die großen deutschen Ausrüster? Was produzieren sie? Und wie wichtig ist die Branche für die deutsche Wirtschaft?

Wie bedeutend ist die Rüstungsbranche?
Beschäftigte: Die deutschen Rüstungsunternehmen beschäftigen etwa 98 000 Menschen. Diese arbeiten aber nicht alle in der Waffenproduktion. Rüstungskritiker schätzen, dass im Kernbereich der Branche nur etwa 20 000 Menschen beschäftigt sind. Laut Branchenverband BDSV dagegen hängen – inklusive Zulieferer – mehr als 300 000 Stellen von der Rüstung ab. Zum Vergleich: Die deutsche Autoindustrie hat etwa 800 000 Beschäftigte. Angesichts von insgesamt 42 Millionen Erwerbstätigen in Deutschland kommt die Rüstungsindustrie auf einen Anteil zwischen 0,2 und 0,8 Prozent.

Umsatz: Der Umsatz der Rüstungsbranche beläuft sich auf rund 23 Milliarden Euro. Dies entspricht etwa 0,4 Prozent des Gesamtumsatzes der deutschen Unternehmen.

Export: Deutschland ist der drittgrößte Waffenexporteur der Welt – mit großem Abstand hinter den USA und Russland. Geliefert werden aus Deutschland Panzer, Raketen, Gewehre, U-Boote und Flugzeuge, auf die etwa ein Drittel des Umsatzes entfällt. Der größere Teil der Ausfuhren besteht aus Überwachungs- und Aufklärungssystemen, Computerlösungen, Dienstleistungen etc. Laut Rüstungsexportbericht der Bundesregierung betrug der Gesamtwert der Lieferungen im vergangenen Jahr 5,8 Milliarden Euro. Waffen im engeren Sinne wurden für 933 Millionen Euro verkauft. Das entsprach etwa 0,1 Prozent aller deutschen Exporte.
2010 schnellten die Waffenexporte Deutschlands um 58 Prozent auf 2,12 Milliarden Euro in die Höhe, sein Anteil am globalen Geschäft stieg damit kurzzeitig auf elf Prozent. Grund hierfür waren unter anderem mehrere Großaufträge der ausländischen Marine – Kriegsschiffe machten 44 Prozent der deutschen Rüstungsexporte aus. Bester Waffenkunde war das überschuldete Griechenland mit einem Anteil von 15 Prozent, dahinter folgten Südafrika (11 Prozent) und die Türkei mit 10 Prozent.

Wer sind die großen Rüstungsunternehmen?
In Deutschland arbeiten Dutzende von Firmen im Rüstungsbereich. Die Großen sind:
Heckler & Koch ist der wichtigste deutsche Hersteller von Handfeuerwaffen: Pistolen, Gewehre, Maschinengewehre, die weltweit Verwendung finden. Das G3 gilt nach der Kalaschnikow AK-47 zu den am meisten verbreiteten Sturmgewehren der Welt. Da Heckler&Koch-Waffen auch in vielen Krisenregionen eingesetzt werden, steht das Unternehmen seit langem in der Kritik. 2010 – neuere Zahlen sind nicht verfügbar – machte es einen Umsatz von 203 Millionen Euro. Die Mitarbeiterzahl liegt über 600.
MTU Aero Engines baut Triebwerke für Kampfflugzeuge, so zum Beispiel für den Eurofighter, aber auch für den Airbus A 380. Das Münchner Unternehmen machte im Rüstungsgeschäft 2013 einen Umsatz von etwa 500 Millionen Euro.
Diehl Defence ist die Rüstungssparte des Münchener Diehl-Konzerns. Zur Produktpalette gehören Panzerketten, Munition und Raketen. So gilt die Lenkwaffe Iris-T als eine der präzisesten Raketen für Kampfflugzeuge. Mit ihr sind der Eurofighter und der Tornado bestückt. Diehl beschäftigt knapp 3000 Mitarbeiter und macht einen Umsatz von 700 Millionen Euro.
Rheinmetall Defence ist die Rüstungssparte des Düsseldorfer Rheinmetall-Konzerns. Hauptprodukte sind neben Flugabwehrsystemen und Munition vor allem Panzer. Ein bekanntes Modell ist der Spürpanzer „Fuchs“. Der Umsatz belief sich 2013 auf drei Milliarden Euro, die Mitarbeiterzahl lag bei 9200.
ThyssenKrupp Marine Systems baut Unter- und Überwasserschiffe wie Fregatten und Minenräumer für den Kriegseinsatz. Exportschlager sind die U-Boote. Einige der TKMS-Modelle verfügen über einen Elektroantrieb, der das Orten des U-Boots für den Gegner sehr schwierig macht. Das Unternehmen ist der Zusammenschluss der ThyssenKrupp-Werften und der Howaldtswerke-Deutsche Werft (HDW) und machte 2013 mit 3600 Mitarbeitern einen Umsatz von 1,2 Milliarden Euro.

Krauss-Maffei Wegmann (Firmenslogan: „Protects your Mission“) baut Haubitzen, Truppentransporter und Panzer. Der bekannte „Leopard 2“ ist eine Kooperation mit Rheinmetall. Weltweit begehrt ist der Kampfpanzer, da er sehr beweglich ist, schwer zu zerstören und starke panzerbrechende Waffen besitzt. Daneben kommt auch der Schützenpanzer „Puma“ aus dem Hause KMW. Das Münchner Unternehmen setzte 2013 2,4 Milliarden Euro um und hatte 2600 Mitarbeiter.

Airbus Group (ehemals EADS) ist ein europäischer Luftfahrt- und Rüstungskonzern mit Sitz in München und Toulouse. Jeweils zwölf Prozent an ihm halten der deutsche und der französische Staat, vier Prozent gehören Spanien. Der Rest ist Streubesitz. EADS ist der zweitgrößte europäische Rüstungskonzern und steht weltweit auf Platz Sieben. Der Konzern erzielte mit Kampfjets (Eurofighter), Truppentransportern (Airbus 400M), Tankflugzeugen (Airbus 330) und Kampfhubschraubern (Tiger) 2013 einen Umsatz von fast 16 Milliarden Euro. (mit dpa)

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