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Waffenhandel: Deutschland verkauft 70 Prozent mehr

Das Geschäft mit Kriegsgut boomt: Deutschland liefert 70 Prozent mehr Waffen in die Welt als im Jahr zuvor. Vor allem die Türken ordern fleißig in Berlin. Von Hannes Gamillscheg

Der Leopard 2A4 gehört zu den Verkaufsschlagern beim deutschen Waffenexport.
Der Leopard 2A4 gehört zu den Verkaufsschlagern beim deutschen Waffenexport.
Foto: ddp

Kopenhagen. Im internationalen Waffenhandel spielt Deutschland eine immer größere Rolle. In den vergangenen fünf Jahren stiegen die deutschen Rüstungsexporte um 70 Prozent, ihr Anteil am globalen Geschäft mit Kriegsmaterial wuchs in diesem Zeitraum von sieben auf zehn Prozent.

Damit rangiert Deutschland unter den Waffenhändlern nun hinter den USA und Russland auf Rang drei. Dies geht aus einem Rapport über den weltweiten Transfer von konventionellen Waffen hervor, den das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri am Montag veröffentlichte.

Sipri

Das Friedensforschungsinstitut Sipri in Stockholm veröffentlicht Berichte über die Rüstungsindustrie in englischer Sprache online.

Die Howaldtswerke-Deutsche Werft in Kiel liefern den zweiten Verkaufsschlager: das U-Boot vom Typ 214.
Die Howaldtswerke-Deutsche Werft in Kiel liefern den zweiten Verkaufsschlager: das U-Boot vom Typ 214.
Foto: dpa

Das Geschäft mit Kriegsgut boomt wieder, und von der Finanz- und Wirtschaftskrise ist die Rüstungsindustrie bisher noch kaum geprägt.

Zwar liegen die Umsätze weiterhin deutlich unter den Rekordniveaus aus den Zeiten des Kalten Krieges, doch zwischen 2004 und 2008 waren sie schon wieder um 21 Prozent höher als in der davor liegenden Fünfjahresperiode, in der der Rüstungstransfer die niedrigsten Werte seit den sechziger Jahren auswies.

In den kommenden Jahren werde sich die globale Finanzkrise auch auf das Waffengeschäft auswirken, erwartet Sipri, es sei jedoch zu früh für konkrete Prognosen.

"Während Staaten wie Brasilien, Indonesien oder Marokko ihre Gürtel enger schnallen müssen, bauen andere wie Taiwan oder die Arabischen Emirate ihre militärischen Kapazitäten aus", sagt Poul Holtom, der Chef des Sipri-Waffenhandelsprogramms.

"In einer Zeit, die nach gemeinsamen Lösungen für globale Probleme ruft, stellt der blühende Waffenhandel eine Vergeudung von Ressourcen dar, die sich die Welt nicht leisten kann."

Vor allem im Nahen Osten sind die Zuwachsraten hoch. Um 38 Prozent mehr Kriegsgut wurde seit 2004 in die Krisenregion exportiert, mit den Vereinigten Arabischen Emiraten, Israel und Ägypten als Hauptabnehmern.

Alle drei werden vor allem von den USA versorgt. Hingegen sei der Anteil Irans "trotz aller Spekulationen über die iranischen Importprogramme" vergleichsweise gering, heißt es in dem Rapport.

China und Indien, beide mit Russland als wichtigstem Lieferanten, sind weiterhin die weltweit größten Waffenkäufer. China stellt sich jedoch zunehmend auf Eigenproduktion um. Hingegen nehmen die Importe Pakistans und Südkoreas - beide vor allem aus den USA - stark zu.

Mit einem Anteil von 31 Prozent liegen die USA weiterhin an der Spitze der Rüstungskaufleute, auch wenn ihr Umsatz seit Ende der neunziger Jahre, als US-Firmen für die Hälfte aller Waffenexporte standen, um rund 40 Prozent gefallen ist.

Im gleichen Zeitraum verdoppelte Russland seine Ausfuhren und hält nun einen Anteil von 25 Prozent. Vor Frankreich und Großbritannien liegt Deutschland auf Rang drei, was vor allem auf eine Steigerung um 123 Prozent auf dem europäischen Markt zurückzuführen ist.

Deutschlands Abnehmer

Unter 47 Abnehmern deutscher Waffen waren die Türkei (15,2 Prozent) und Griechenland (12,9 Prozent) die besten Kunden, vor allem wegen der Lieferung von Panzern und U-Booten, gefolgt von Südafrika und Südkorea mit Anteilen von 12,4 und 7,5 Prozent.

Der deutsche Beitrag zum Waffenhandel werde auch künftig signifikant bleiben, erwartet Sipri-Experte Mark Bromley und verweist auf geplante Verkäufe von U-Booten an Italien, Griechenland und Portugal und Panzern für Brasilien.

Das Volumen der deutschen Exporte in der letzten Fünfjahresperiode gibt Sipri mit 11,45 Milliarden Dollar an, der wahre Wert sei jedoch wesentlich höher, unterstreicht Bromley. Offizielle deutsche Daten operierten nur mit "Kriegswaffen" im engsten Sinn, während andere Länder den Export von Rüstungsgütern umfassender definieren.

Beim Verkauf von gebrauchtem Material kalkuliert Sipri mit dem Nutzwert und nicht dem Rechnungswert der Waffen, was dazu führt, dass die von dem Institut ausgewiesenen Zahlen oft höher liegen als offizielle deutsche.

Österreich auf Platz 24

Auch die Schweiz spielt im globalen Waffengeschäft eine Rolle, laut Sipri als 14. der Weltrangliste der Rüstungsexporteure. Die USA (51 Prozent) war weit vor Pakistan (9 Prozent) wichtigster Abnehmer. Bei den Importen rangiert die Schweiz auf Platz 42.

Österreich steht im globalen Waffengeschäft auf Platz 24. der Weltrangliste der Rüstungsexporteure. Frankreich (58 Prozent) war weit vor Portugal (13 Prozent) wichtigster Abnehmer. Bei den Importen rangiert Österreich auf Platz 34.

Autor:  Hannes Gamillscheg
Datum:  27 | 4 | 2009
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